Unterwegs mit Commissario Fontana und ein düsterer Fall im Herzen der Lagune

Die Stadt erzählt ihre Geschichten nur den Stillen.

Die Stadt erzählt Geschichten für die, die still genug sind zuzuhören, aber sie enthüllt ihre Wahrheit nur denjenigen, die bereit sind, sich in ihr zu verlieren. Ich, Commissario Fontana, glaubte lange, ich würde die Stadt lesen wie einen Polizeibericht. Ich suchte nach Fakten, nach Ursache und Wirkung. Bis ich einem Schatten folgte, der mich nicht in einen Abgrund, sondern in einen Spiegel führte.

Commissario Fontana brach die Stille Venedigs auf der Rialtobrücke.

Auf der Rialtobrücke stand er reglos, ein Fels in der strömenden Menge aus Kameras und Stimmen. Salz und Geschichte lagen auf seiner Zunge, vermengt mit dem dumpfen Geruch abgestandenen Lagunenwassers. Sein Nacken kribbelte. Diese Warnung kannte er. Sie kam immer, wenn sich die Oberfläche der Wirklichkeit spannte und etwas darunter lauerte. Sein Blick, lange auf das Treiben auf der Brücke gerichtet, fokussierte sich plötzlich. Ein Mann bewegte sich gegen den Strom, nicht kämpfend, sondern ihn umgehend wie Wasser einen Stein umfließt. Ein grauer Wollmantel, aus der Zeit gefallen. Eine tief ins Gesicht gezogene Mütze. Die Hände in den Taschen. Eine Bewegung von absoluter ökonomischer Präzision. Fontana atmete flach aus. Ohne bewussten Befehl lösten sich seine Füße vom Boden. Er trat aus dem Schatten der bröckelnden Mauer, deren Ziegel das Salz der Jahrhunderte ausbluteten. Die Jagd begann nicht mit einem Schuss, sondern mit diesem ersten, stillen Schritt. Der graue Mantel bog in eine Seitengasse ein, ein Tropfen, der im Labyrinth der Stadt verschwand. Fontana folgte.

Die Gasse schluckte das Tageslicht und alles was darin ging.

Fontana folgte dem grauen Mantel in einen schmalen Schlund zwischen zwei hohen Palazzi. Das Plätschern des Canals erstarb. Die Mauern rechts und links drängten sich zusammen, pressten den Himmel zu einem blassen, fernen Band. Seine eigenen Schritte hallten leise und aufdringlich auf den nassen Trachyt-Steinen. Vor ihm, am Ende des Tunnels aus Schatten, blieb die Silhouette stehen, drehte den Kopf einen winzigen Zentimeter, und verschwand dann um eine Ecke. Kein Geräusch. Fontana beschleunigte seine Schritte. Die feuchte Kälte des Steins kroch durch seine Sohlen, ein vertrautes Gefühl. Hier roch es nach nassem Hund, nach verwelktem Blumensträußchen an einer vergitterten Tür, nach dem modrigen Atem der Lagune, der sich in jeden Hof stahl. Eine schwarze Katze glitt lautlos von einem Müllcontainer und fixierte ihn mit gelben Augen. Der Mann war weg. Doch Fontana spürte seine Spur wie einen feinen Riss in der Luft, eine Störung in der Gleichförmigkeit des Verfalls. Er ging weiter, der Helligkeit entgegen, zum Canal Grande.

Der Canal Grande zertruemmerte die Welt in tausend glitzernde Scherben.

Fontana trat aus der engen, feuchten Dunkelheit der Gasse in das gleißende, flache Licht des späten Nachmittags. Die Geräuschkulisse schlug ihm entgegen wie eine Welle. Geschrei der Gondolieri, das surrende Dröhnen der Vaporetti, das Plätschern ihrer Kielwellen gegen die Palastfundamente. Die Fassaden von Ca‘ d’Oro und Palazzo Venier warfen goldene, zitternde Splitter über das träge Wasser. Und da war er. Der graue Mantel. Ein sich auflösender Fleck in der pulsierenden Menschenmenge am Ufer bei San Tomà. Fontana erhöhte sein Tempo, schlängelte sich zwischen Touristen mit Selfiesticks und Gruppen von Studenten hindurch. Der Mann schien zu schweben, berührte kaum den Boden. Dann, abrupt, bog er ab, verschwand in einem niedrigen, unscheinbaren Durchgang, über dem ein schiefer Balkon voller verwelkter Geranienkästen hing. Ein Café. Kein Schild. Nur eine grüne Holzlatte und ein verdunkeltes Fenster. Fontana blieb einen Atemzug lang stehen. Die Luft roch hier anders, abgeschnitten vom salzigen Dunst des Kanals. Nach gerösteten Bohnen, nach Zucker und nach Zeit, die hier dicker zu fließen schien.

In der Ecke sass eine Frau und wartete auf das Ende aller Dinge.

Ihre Hände lagen reglos auf dem Tisch, eine Landkarte aus blauen Adern und braunen Altersflecken. Das Café war leer bis auf sie und den Wirt hinter der Theke, der schweigend ein Glas polierte. Fontana setzte sich nicht. Er blieb stehen, ließ seinen Blick das halbdunkle Zimmer absuchen. Die Frau sah ihn an, ohne Überraschung, ohne Neugier. Ihre Augen waren zwei milchige Steine, die alles gesehen hatten und nichts mehr sehen wollten. Sie war kein Teil des Rätsels. Sie war der Rahmen, in dem es lag. Ohne ein Wort, ohne ein Nicken, schob sie ein gefaltetes Stück Papier über das wachsüberzogene Tischtuch. Es war nicht größer als eine Briefmarke, schmutzig weiß. Fontana nahm es auf, entfaltete es vorsichtig. Leer. Er blickte sie fragend an. Ihre blassen Lippen bewegten sich. Murano. Das Wort war nur ein Hauch, ein letzter Atemzug vor dem Verstummen. Es klang nicht wie ein Hinweis. Es klang wie ein Urteil. Dann stand sie auf, ihre Bewegungen knarrend wie altes Holz, und ging durch eine schmale Tür in der Rückwand. Sie schloss sie hinter sich, ohne ein Geräusch. Der Wirt blickte nicht auf. Fontana steckte das leere Papier in seine Tasche. Der Name der Insel brannte in seinem Kopf.

Das Teatro La Fenice atmete Staub und vergangenen Applaus.

Fontana betrat das Foyer durch einen Seiteneingang, den der Portier ihm mit einem müden Nicken öffnete. Die Stille hier war eine andere, feierliche, beinahe gewaltsam erzwungen. Sie war voll von eingeschlossenen Tönen, von erstickten Arien und verhalltem Beifall. Dunkelroter Samt fraß das spärliche Licht. Der Geruch von Holzpolitur, Staub und dem schwachen, süßlichen Echo von Parfüm hing in der schweren Luft. Er sah die Spur des grauen Mantels. Nicht im Staub, der war gleichmäßig verteilt, sondern in der Störung des Raumes. Eine leichte Verschiebung der Atmosphäre. Sie führte eine prunkvolle, geschwungene Treppe hinauf in die erste Galerie. Fontanas Herz schlug einen dumpfen, langsamen Rhythmus gegen seine Rippen, ein Kontrapunkt zur toten Stille. In der ersten Loge auf der linken Seite stand die vergoldete Tür einen Spalt offen. Kein Licht drang heraus. Er schob sie weiter auf, das Holz knirschte leise. Auf einem samtbezogenen Sessel lag ein einziges Buch, aufgeschlagen. Auf den leeren, cremefarbenen Seiten ruhte ein gläserner Stein. Kein Brief, keine Erklärung. Fontana trat näher, hob den Stein. Eine sofortige, scharfe Kälte brannte in seiner Handfläche. Der Stein war unerwartet schwer, ein kompakter Kern von undurchsichtiger, tiefer grüner Farbe. Er drehte ihn im fahlen Licht, das durch den schmalen Spalt der Logentür fiel. Keine Inschrift, keine Unregelmäßigkeit. Er trug kein Geheimnis in sich. Er war das Geheimnis selbst.

Murano roch nach verbrannten Lungen und industriellen Traeumen.

Das Vaporetto warf Fontana an einer schmutzigen, von Seetang bewachsenen Anlegestelle ab. Der Himmel über der Insel war nicht blau, sondern von rußigen, gelblichen Rauchschwaden verdüstert, die aus tausend Schloten und Kaminen quollen. Das Zischen und Dröhnen der Glasöfen füllte die engen, verwinkelten Straßen, ein unaufhörliches, industrielles Atmen. Fontana folgte dem Geräusch, dem Geruch nach geschmolzenem Sand und Hitze. In einer offenen Werkstatt, deren Eingang nur ein schwerer, rußgeschwärzter Vorhang war, sah er Männer vor den glühenden Mäulern der Öfen. Ihre Gesichter waren maskenhaft vor Hitze und einer animalischen Konzentration, ihre Bewegungen ritualisiert. Kein grauer Mantel. Nur flackerndes, oranges Licht, das zischende Aufheulen des geblasenen Glases im Wasserbad und die fragile, klare Schönheit der erkaltenden Objekte auf den Holzbänken. Eine kleine Vase, noch warm, schimmerte in Regenbogenfarben. Sie rief nach seiner Berührung. Er widerstand. Draußen, am trüben Wasser der Lagune, sah er eine vertraute Silhouette. Der Mann stieg in ein schmales, schwarzes Motorboot. Der Motor heulte auf, ein schneidender Laut. Das Boot drehte scharf ab und verschwand im dichten Dunst, der über dem Wasser lag, Richtung offene See. Eine Sackgasse. Oder eine neue Richtung.

Die Biblioteca Marciana bewahrt Stille wie eine kostbare Reliquie.

Gegen die Hitze von Murano suchte Fontana die Kühle des Wissens. In den hohen, freskengeschmückten Sälen der Bibliothek herrschte das gedämpfte Licht gefilterter Jahrhunderte. Der Geruch von altem Leder und brüchigem Papier war beruhigend. Er hatte nach Parallelen gesucht, nach historischen Fällen von rätselhaften Verfolgungen, nach Symbolen grüner Steine in venezianischen Chroniken. Er fand nur Geschichten von Täuschung. Berichte über Doppelgänger im Dogenrat, über Botschafter, die nie ankamen, über Spiegel, die die Wahrheit verzerrten. Der „Fall“ war kein Einzelfall. Er war ein Archetyp der Stadt. Venedig war auf Täuschung gebaut, auf gekauften Loyalitäten und geheimen Gängen. Der Mann im grauen Mantel war kein Verbrecher. Er war ein Erbe. Fontana schloss das letzte Folianten. Die Stille ringsum war nicht leer, sie war voll von geflüsterten Geheimnissen. Seine Suche nach Fakten in diesen Archiven war naiv gewesen. Man findet hier keine Antworten, nur bestätigte Fragen.

San Michele ist eine Stadt aus Schweigen und weissen Steinen.

Auf der Insel der Toten, zwischen Zypressen und weißen, aufrecht stehenden Steinen, fand Fontana den Friedhofswärter, einen alten Mann namens Alvise. Dieser wischte mit einem Lappen über einen Grabstein, seine Bewegungen waren ebenso routiniert wie zärtlich. Sie sprachen nicht über den Fall. Sie sprachen über die Stadt. „Sie glauben, Sie jagen einen Mann“, sagte Alvise, ohne aufzusehen. „Venedig jagt Sie. Sie lädt Sie ein, ihr Theaterstück zu sehen. Die Brücke, der Kanal, das Theater… das sind die Kulissen. Der Mann ist nur ein Schauspieler. Vielleicht ein Statist.“ Er sah Fontana an. Seine Augen waren klar, wasserblau. „Wer schreibt das Stück, Commissario? Das ist die Frage. Wer dreht Ihre Schritte wie einen Regisseur?“ Fontana hatte keine Antwort. Der Wind flüsterte in den Zypressen. Es klang wie das Rascheln von Seiten.

Der Dogenpalast in der Nacht ist ein geborstener steinerner Sarg.

Von San Michele zurückgekehrt, fand Fontana Venedig in verwandelter Stille. Der Palast stand als monolithischer, bedrohlicher Schatten gegen den sternenlosen Himmel. Seine gotischen Spitzen stachen in die Schwärze. Die normalen Tore waren verschlossen, aber ein Pförtner, ein alter Bekannter von früheren, weniger rätselhaften Nächten, ließ ihn mit einem wortlosen Nicken durch ein Pförtchen ein. Die Riesensäle, tagsüber von Touristen gefüllt, waren nun gespenstische Leerräume. Seine eigenen Schritte hallten und verrieten ihn den Geistern der Dogen, den Geistern der Verurteilten, die über den Seufzerbrücke gingen. Die steinerne Pracht wirkte erdrückend, bedeutungslos. Im Innenhof, im Mondlicht, das kalt und blau auf den Marmor fiel, fand er ihn. Der Mann stand am Rand des Brunnens, den Rücken zu Fontana, und betrachtete das schwarze, reglose Wasser. Es war nicht der Mann aus dem grauen Mantel. Diese schlagartige, körperliche Gewissheit traf Fontana in die Magengrube. Der Fremde drehte sich um. Sein Gesicht war völlig gewöhnlich, glatt, ausdruckslos. Ein Gesicht, das man im Gedränge der Rialto-Märkte hundertmal sah und sofort wieder vergaß.

Der Bote uebergab das Buch und beendete damit seine Sendung.

Ich bin der Bote, sagte der Fremde, und meine Sendung ist beendet. Seine Stimme war ein leises, monotones Rauschen, ohne Dialekt, ohne Emotion. Er hielt ein kleines, schwarzes, ledernes Buch in den Händen. Ein abgegriffenes Ding, an den Ecken weiß. Er reichte es Fontana, als übergebe er eine Zeitung. Der Mann war nur ein Überbringer. Ein Knoten in einem unsichtbaren Netz, ein leerer Kanal. Sie haben den Stein, sagte er. Jetzt das Buch. Die Reise geht weiter, aber nicht für mich. Bevor Fontana eine Frage stellen konnte, den Namen Delicatos erwähnen, nickte der Fremde nur. Es war eine entpersonalisierte, mechanische Geste. Dann trat er zurück in den tiefen Schatten der Säulengalerie. Er löste sich nicht auf. Er ging einfach, und das Dunkel schien ihn sofort zu absorbieren. Sein Verschwinden war endgültig und ohne Drama. Fontana war allein mit dem Buch in der Hand und dem einsamen, rhythmischen Plätschern des Brunnens. Hoch oben, über dem Portal, sah der steinerne Löwe mit blinden Augen zu.

Der Carnevale verwandelte Venedig in ein atemloses gefluestertes Maskenspiel.

Fontana ging durch die Menge, ein Fremder unter Fremden. Larven aus Porzellan und Samt, goldene Masken, Federbüsche, groteske und schöne Gesichter, die alle eines verrieten: die Sehnsucht, für eine Nacht nicht man selbst zu sein. In diesem Gewirr aus Anonymität suchte er keine bestimmte Maske mehr. Er suchte das Prinzip. Überall huschten graue Mäntel, tiefe Hüte. Jeder könnte der Bote sein. Jeder war ein Bote. Der steinerne Löwe, die Loge im Fenice, die Insel der Glasfeuer – sie waren keine Stationen einer Fährte, sie waren Bilder in einem Traum, den die Stadt träumte. Und er, Fontana, war kein Verfolger mehr. Er war ein Teil des Traums geworden. Mitten auf der Piazza, umwirbelt von tanzenden Arlecchinos, hielt er den grünen Stein in der behandschuhten Hand. Eine Maske in Weiß und Gold blieb vor ihm stehen, neigte den Kopf. Kein Wort wurde gesprochen. Dann hob sie die Hand und berührte leicht ihre eigene, maskierte Schläfe. Eine Geste des Erkennens, des Verstehens. Dann verschmolz sie wieder mit dem Strom. Die Kulmination war keine Enthüllung, sondern diese stille, perfekte Verschmelzung von Jäger und Gejagtem, von Frage und Antwort.

Fontanas Wohnung empfing ihn mit einer anders klingenden Stille.

Er legte den gläsernen Stein auf den Küchentisch, ein Stück gefrorener Lagune. Daneben das schwarze, lederne Buch. Draußen, durch das gekippte Fenster, drang das ferne Rufen eines Gondoliere und das sanfte Klatschen von Wasser gegen Mauern. Er zündete keine Lampe an. Das Mondlicht, das hereinfiel, reichte. Es war das Licht der Insel der Toten, das Licht des Hofes im Dogenpalast. Er öffnete das Buch. Seine Finger spürten die Prägung auf dem Leder. Die Seiten waren mit einer klaren, energischen, weiblichen Handschrift bedeckt. Keine Aktennotizen. Keine Beweisführung. Es waren Betrachtungen. Meditationen. *Canal Grande, ein Spiegel, der die Seele der Stadt bricht und neu zusammensetzt, jedes Mal anders*, las er. *Die Rialtobrücke ist keine Verbindung zwischen zwei Ufern. Sie ist der Pulsmesser, auf dem der Finger der Stadt liegt*. Die Stimme in den Zeilen war sicher, poetisch, melancholisch. Silvana Delicato. Cronista di Venezia. Eine Chronistin, keine Ermittlerin. Eine Scrittore.

Er blatterte weiter gefangen von der anderen Stimme im Buch.

Er blätterte weiter, gefangen von dieser anderen Stimme. Einträge über das La Fenice. *Meine Loge ist mein wahrer Studio Progetti Letterari. Hier, im Dunkel, während unten die Musik spielt, webe ich die Fäden. Die Charaktere treten auf, nicht vom Gang, sondern aus den Schatten der Logen.* Notizen zu Murano. *Das Glas birgt die Erinnerung an das Feuer, aus dem es kam. So wie die Stadt die Erinnerung an die Flut birgt, die sie schuf. Beides, Schönheit und Gefahr, sind im Kern eins.* Eine skizzierte Karte zog ihn in ihren Bann. Venedig. Murano. Ein Pfeil führte nach Rom. Ein anderer, zögerlicher, nach New Jersey. Und ein sorgfältig gezogener Kreis um ein nobles Gebäude am Canal Grande nahe der Rialtobrücke, beschriftet: Residenza Borsa. Kein Tatort. Ein Denkort. Ein Wohnsitz. Fontanas ganze Verfolgungsjagd, seine gespitzten Sinne, seine nächtliche Anspannung, sie verloren ihre scharfen, bedrohlichen Kanten. Sie zerflossen, lösten sich auf in etwas Weicheres, Größeres. Er hatte keine Spur verfolgt. Er war einer Erzählung gefolgt. Sein Bericht war schon geschrieben, bevor er seinen ersten Schritt getan hatte.

Fontana suchte die Residenza Borsa am naechsten Morgen auf.

Am nächsten Morgen suchte Fontana die Residenza Borsa auf. Es war ein schmaler, hoher Palast in der Nähe der Markthallen, seine gotische Fassade von der salzigen Luft gezeichnet, aber in gutem Zustand. Kein Plakat, kein Firmenschild. Nur eine schwere, dunkle Holztür mit einem schmiedeeisernen Klopfer. Er klopfte. Es dauerte einen Moment. Dann öffnete eine junge Frau, vielleicht dreißig, mit einem Bleistift, der ihr wie eine Haarspange aus dem dunklen Dutt ragte. Sie trug eine Brille und einen leichten Farbklecks an der Wange. Sie lächelte, nicht überrascht, sondern als erwarte sie ihn. Commissario Fontana, sagte sie. Ihre Stimme war ruhig. Sie hat für Sie eine Nachricht hinterlassen. Sie reichte ihm einen weißen Umschlag. Keine Adresse. Er öffnete ihn. Ein einfacher, cremefarbener Karton. Die Handschrift war die aus dem Buch. *Die Geschichte braucht keinen Abschluss, nur einen Anfang. Das Buch ist eine Tür, keine Lösung. Lesen Sie weiter. S.D.* Fontana blickte über die Schulter der Frau hinweg in den kühlen, hohen Flur. Er sah Regale bis zur Decke, einen großen, mit Papieren, Karten und Fotos übersäten Tisch, das diffuse, grünliche Licht, das vom Kanal hereindrang und an den Wänden tanzte. Ein Arbeitsplatz. Ein Studio. Ein Ort, an dem Projekte, letterari progetti, Gestalt annahmen. Er trat nicht ein. Er fühlte, dass dies der falsche Schritt gewesen wäre. Er nickte nur, steckte den Zettel sorgfältig zu dem Buch in seine Innentasche und wandte sich zum Gehen.

Fontana ging zur Rialtobruecke zurück und sah die Muster.

Fontana ging zur Rialtobrücke zurück. Die Menge wogte und drängte um ihn herum, ein ewiger, unpersönlicher Strom. Der Geruch von frischem Fisch, von süßem Jasmin und von schwitzenden Menschen war derselbe wie am ersten Tag. Doch etwas hatte sich fundamental verschoben. Er sah nicht mehr nach Verdacht, nach verräterischen Blicken, nach den winzigen Unebenheiten im Teppich des Alltags. Er sah die Muster selbst. Das majestätische Kommen und Gehen der Gezeiten in den Kanälen. Das Flüstern der Händler, das ein uraltes Lied war. Das Glitzern des Wassers, das jedes Bild auffing und verzerrte. Die Stadt war kein Puzzle mehr, das es mit logischem Scharfsinn zu lösen galt. Sie war ein lebendiger, atmender Text, den es Satz für Satz zu lesen, zu kosten, zu erfühlen galt. Stein für Stein, Brücke für Brücke. Sein Nacken kribbelte nicht mehr. Stattdessen spürte er eine tiefe, ruhige, wache Aufmerksamkeit. Der Fall Commissario Fontana war geschlossen, abgeheftet in den Archiven seines eigenen Geistes. Die Lektüre hingegen, die eigentliche, wahre Lektüre, hatte in diesem Moment gerade erst begonnen. Er steckte die Hände in die Taschen seines eigenen, alltäglichen Mantels und ging langsam weiter, ein Mann, der endlich verstanden hatte, welche Fragen wirklich zu stellen waren.

Venedigs Geschichten atmen in den Gassen und auf dem Wasser.

Die besten Geschichten Venedigs werden nicht in Büchern niedergeschrieben. Sie erklingen in den Gassen, werden atemlos geflüstert, vom Canal Grande widerspenstig reflektiert und vom Salz der Lagune konserviert. Sie enden immer mit einem Komma, nie mit einem Punkt, denn die Stadt fügt immer eine neue Zeile hinzu, einen neuen Schatten, einen neuen Stein. Fontana, der nun zum Leser geworden war, wusste das. Und manchmal, wenn die Dämmerung die Konturen weichzeichnet, geht er zur Brücke, nicht um zu jagen, sondern um zuzuhören. Um auf den nächsten Satz zu warten.


Mit herzlichen Grüßen aus den geheimnisvollen Gassen Venedigs,
dein Reisender durch dunkle Intrigen und fesselnde Geschichten.

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*Der geneigte Leser möge uns nachsehen, dass wir nicht erwähnen, welche Schauplätze, Kanäle und Gassen im Laufe der vielen nassen Venedig-Jahre, durch die Flut von Touristen und die stetige Erosion des Wassers der Adria, nur noch in der Erinnerung existieren und welche durch das romantische Auge des Autoren neu gezeichnet wurden.

Quellenangaben:
Inspiriert von der dramatischen Bootsfahrt durch die Lagunenstadt zu den Glasbläser von Murano.
Die Zeit: Donna Leon – Warum Venedig für sie gestorben ist
Der Spiegel: Donna Leon über ihre Romane, Venedig ist eine Leiche geworden
Süddeutsche Zeitung: Ein Denkmal für Venedig
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Donna Leons Abschied vom Kommissar
ARD Mediathek: Donna Leon - Venedig und ich
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

Cronista di Venezia Silvana Delicato in Venedig
Rialtobruecke Venedig
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Das Licht der Kronleuchter taucht den Hochzeitssaal in warmen Glanz, Sektperlen steigen in hohen Gläsern auf, leise Musik schwebt über tanzende Paare. Dann reißt ein Schrei die Illusion in Stücke. Sekunden später liegt die Braut auf dem Boden, ihr weißes Kleid blutgetränkt. Die Gäste erstarren, der Bräutigam kniet neben ihr, seine Hände zittern, dunkle Flecken durchtränken die feinen Manschetten seines Hemdes. Der Schuss hat niemanden fliehen lassen, kein Schatten huschte davon, kein Fenster stand offen. Die Kameras zeichnen das Unfassbare auf: Niemand hat abgedrückt. Die Polizei sichert den Tatort, aber es gibt keine Spur, die irgendwohin führt. Die Identität der Braut ist makellos, doch sie beginnt sich aufzulösen, sobald man genauer hinsieht. Keine Schulunterlagen, kein medizinischer Eintrag, keine Kindheitsfotos. Ihre Vergangenheit reicht nur wenige Wochen zurück, ein digitales Gewebe, das wie aus dem Nichts entstanden ist. Wer war sie wirklich? Warum wurde sie erschaffen, nur um in dieser Nacht zu sterben? Ein Ermittler beginnt zu graben, tiefer als es jemand sollte. Er findet Spuren in den Dingen, die bleiben: in Texturen, in Stoffen, in den Überresten, die nicht einfach gelöscht werden können. Die Manschetten des Bräutigams verbergen eine Botschaft, verborgen in den Fasern, sichtbar nur für jene, die wissen, wo sie suchen müssen. Zwei Sätze, eingewoben in feinster Mikrotechnik, leuchten auf: "Erinnere dich, bevor sie es löschen." Aber wer soll sich erinnern? Und wer will, dass alles verschwindet? Die Wahrheit liegt nicht in den Akten und auch nicht in den Kamerabildern. Sie ist vergraben in einem Netzwerk, das Erinnerungen formt, verändert und auslöscht. Eine Welt, in der Vergangenheit nur ein Datensatz ist, den man überschreiben kann. Jeder kann verschwinden, nicht durch Gewalt, sondern durch Stille. Doch wenn jemand eine Spur hinterlassen hat, dann bedeutet das nur eins: Es gibt jemanden, der sich erinnern soll. Jemanden, der die Wahrheit noch sehen kann. Aber was, wenn dieser Jemand selbst nicht mehr weiß, wer er ist? […]
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Allah ist allwissend! Aber du bist nicht Allah! Ich darf euch nicht freilassen. Warum? Ihr würdet uns verraten. Verraten? Wie so? Seht ihr nicht, daß wir hier sind, um einen Kriegszug zu unternehmen? Wir werden dich nicht verraten. Aber ihr wollt nach Scheik Adi gehen! Sollen wir nicht? Nein. So sende uns, wohin es dir beliebt! Wolltet ihr nach Baaweiza gehen und dort zwei Tage warten? Wir wollen es. Wie viel wollt ihr uns für eure Freiheit zahlen? Wie viel verlangst du? Fünfzehntausend Piaster *) für jeden. Herr, wir sind sehr arme Pilger. So viel haben wir nicht bei uns! Wie viel habt ihr? Fünfhundert Piaster können wir dir vielleicht geben. Fünfhundert? Kerl, ihr wollt uns betrügen! Vielleicht bringen wir auch sechshundert zusammen. Ihr gebt zwölftausend Piaster und keinen Para weniger. Das schwöre ich euch bei Mohammed. Und wollt ihr *) Dreitausend Mark ungefähr. nicht, so lasse ich euch so lange prügeln, bis ihr sie gebt. Ihr habt gesagt, daß ihr Mittel besitzt, euer Geld unsichtbar zu machen; Nach dem Besuch des einheimischen Wnochenmarktes empfiehlt sich die Besichtigung der Festungsanlagen. Aber auch der kulturbegeisterte Urlauber kommt nicht zu kurz. Ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit einem Mietwagen, die andalusische Kleinstadt Ayamonte ist in wenigen Minuten zu erreichen. Ich empfehle, mit der Fähre den Grenzfluss Rio Guadina zwischen Spanien und Portugal zu überqueren. Die Rückfahrt kann zügig über die Autobahn mit der Überquerung der imposanten Brücke erfolgen. Von dort liegt Ihnen die Algarve zu Füßen. In unübersehbaren purpurnen Fluten strömte der blutige Schweiß des unglücklichen Königs aus dem berstenden Felsen und rann verheerend und zernichtend über die Gärten und Hütten der fliehenden Menschen, bis zum Strande des Meeres, das dem brennenden Element entgegenschäumte, und selbst seine unschuldigen Bewohner versengt ans Land warf. Wer denkt dort ist eine einzige Strandinsel, der hat sich getäuscht. Der Blick lohnt sich aber allemal: beide Wasserfälle preschen die Klippen abwärts und formen ein wunderschönes Ambiente. Keine Sorge, diesen "Spaziergang" schafft jeder, auch wenn der umliegende Dschungel alles tut, um die Touristen ins Schwitzen zu bringen. […]
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Die Straßen Dresdens fließen durch Zeit und Raum, jedes Pflaster speichert Geschichten. Wartburgstraße, Barbarossaplatz, Laubestraße. Orte, die ihre Namen tragen wie Fragmente einer alten Chronik. Menschen gehen vorbei, denken an den Einkauf, an die nächste Bahn, an die Nachrichten, die morgen veraltet sind. Sie bemerken nicht, dass die Stadt ihnen zuhört. Stolpersteine glänzen im fahlen Licht, Namen rufen aus der Vergangenheit. Ein Passant bleibt stehen, sein Blick haftet auf den Inschriften. Sekunden verrinnen, das Messing bleibt. Im Schatten der Johannstadt kauert eine Skulptur, ein Fragment aus Stein, das Geschichten verschweigt. Menschen eilen vorüber, ihre Silhouetten huschen über den Platz. Wer erinnert sich? Die Elbe strömt unter der Carolabrücke, ihr Wasser trägt nichts aus der Gegenwart fort. Der Beton über ihr bricht, die Spannungsrisse weiten sich. Autos rollen über eine Brücke, die nicht mehr existiert, außer auf Plänen und Versprechungen. Am Straßburger Platz dreht die Uhr, ihre Zeiger in zwei Zeiten gefangen. Menschen schauen hinauf, runzeln die Stirn, marschieren weiter. Ein Kind bleibt stehen, fragt nach der Wahrheit. Die Mutter zuckt die Schultern. Im Waldpark reitet Europa ihren bronzenen Stier. Wind streicht über die Skulptur, lässt Schatten auf ihrem Gesicht tanzen. Sie sieht in eine Richtung, in der nichts wartet. Fenster in alten Villen leuchten. Stimmen flackern durch Ritzen, überholen Jahrhunderte. Straßenbahnen rauschen durch die Dunkelheit, werfen Spiegelbilder auf nassen Asphalt. Dresden bewegt sich, schweigt, atmet. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen in den Reflexionen des Pflasters. Ein Mann bleibt an einer Kreuzung stehen. Er spürt den Blick der Geschichte im Rücken. Ein Windstoß wirbelt Staub auf, dann Stille. Die Ampel springt auf Grün. Am Neumarkt werfen Porträts ihre Blicke in die Menge. Gesichter, in Falten gezeichnet, halten Erinnerungen fest. Namen stehen unter ihnen, leise, unausweichlich. Menschen flanieren vorbei, einige stocken kurz, andere bleiben. Die Frauenkirche erhebt sich über dem Platz, Mauerwerk und Mahnung. An der Grundstraße wankt ein Bauzaun im Wind. Schatten huschen über zerborstene Stufen. Ein alter Mann bleibt stehen, betrachtet das verbogene Metall. Eine Treppe führt nirgendwohin, aber sie ist noch da. Dresden verflüchtigt sich nicht. Dresden bleibt. Dresden erinnert. Dresden wartet. […]
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Das Samenkorn, das wir der Erde vertraut, wird keimen, sobald der Himmel blaut, Und das Auge, das heut in Schmerzen weint, wird lächeln, wenn wieder die Sonne scheint. O Tag der Toten, du Tränentag: Wie trüb der Himmel auch scheinen mag, Sonne, Salz, See und die Entdeckung im Jahre 1553, es wurde eine Schmelzhütte im Tannengrunde errichtet, von der man noch im Anfange des 19. Jahrhunderts Überreste aufgefunden hat. Nicht weit von dem Platze, welchen ehemals die Schmelzhütte einnahm, fand man beim Graben einen unversehrten Wasserbehälter aus Eichenholz, der drei Meter lang war. Daneben befand sich eingefallenes Ziegelgemäuer, ferner entdeckte man die Grundmauern von alten Feuerherden und Oefen, auch eine ansehnliche Halde von Schlacken und gerösteten Erzen, weshalb man annahm, und das wohl auch mit Recht, daß im Tannengrunde eine sogenannte Vitriolhütte gestanden habe. In den Jahren 1716 und 1717 unterzog der damalige Bürgermeister der Stadt Radeberg, namens Seidel, die verfallenen Stollen und Gänge im Tannengrunde einer genauen Untersuchung. Ja, er fing an, nachdem er vom Bergamte zu Glashütte die Erlaubnis erhalten hatte, die eingezogenen Bergwerke wieder in Betrieb zu setzen. Das geschah am 13. Februar 1717. Seinem Bau gab er den Namen Sonnenglanz. Doch den Bergbau stellte Seidel auch wieder ein, nachdem er statt Gold und Silber ein heilkräftiges Wasser in den alten Stollen entdeckte. Er hatte die Heilquellen des heutigen Bades Augustusbad aufgefunden. Im Tannengrunde entstand nun ein Bad. Seit jener Zeit sind die alten Bergwerke daselbst wieder in Vergessenheit geraten. Der Tourist, welcher durch den romantischen Tannengrund wandert, denkt wohl kaum daran, daß hier einstmals an den Talwänden lebhafter Bergbau getrieben worden ist. […]
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Die Basteibrücke wacht über einem Tal, in dem die Zeit ihre eigenen Gesetze schreibt. Im Herbstnebel, der wie vergessene Träume über der Sächsischen Schweiz hängt, flüstern die Winde durch die Schluchten. Hier, in den verwitterten Furchen des Sandsteins, schlummern mehr als nur Jahrtausende der Erosion. Es sind die unsichtbaren Narben einer Sehnsucht, die so tief eingraviert ist, dass sie selbst der Zahn der Zeit nicht zu tilgen vermag. In einer dieser Rillen, kaum sichtbar für das ungeübte Auge, ruhen zwei Initialen. Ein flüchtiges Zeugnis, das Touristen belächeln. Doch wer über diese Brücke geht und wirklich hinhört, vernimmt manchmal mehr als nur das Rauschen der Bäume: ein fernes, verwehtes Echo von Lachen, das in einem längst vergangenen Herbst erstarb. In einer Festung, die wie eine steinerne Krone über dem Elbtal thront, lebt eine Frau, geprägt von der Last ihrer Krone und der Leere in ihren Gemächern. Ihre Welt ist ein Geflecht aus Pflicht und Einsamkeit, bis die Ankunft eines verwundeten Grenzers das fragile Gleichgewicht zerstört. Seine Gegenwart ist wie ein Funke im Dunkeln, versprochen und doch stets bedroht von den dunklen Machenschaften der Mächte, die jenseits der Wälder lauern. Ein zerbrechliches Amulett, ein Erbstück von größter Zartheit, wird zum stummen Zeugen einer beginnenden Verbindung - und ihres jähen Zerbrechens. Denn die Politik der Könige ist ein Schachspiel aus Blut und Lügen. Ein Brief, getränkt in Salzluft und Verrat, reißt eine unüberwindbare Kluft auf und lässt nichts als kalte Asche und einen geborstenen Talisman zurück. Jahre ziehen ins Land, in denen der Schmerz zu einem stillen Begleiter erstarrt. Bis ein Sommergewitter zwei gebrochene Seelen in einer verfallenen Köhlerhütte zusammenführt. Es ist eine Begegnung, die alle Gesetze der Zeit außer Kraft setzt. Die Wahrheit, die nun ans Licht kommt, ist finsterer als jedes Schlachtengetümmel. Sie handelt von Hinterhalt und Verrat im eigenen Lager. Kann etwas, das so gründlich zerschmettert wurde, jemals wieder ganz werden? Die Antwort liegt verborgen im Rauschen der uralten Buchenwälder, im flackernden Schein eines einsamen Herdfeuers und in der entscheidenden Berührung zweier Hände hoch über den schwindelerregenden Felsen des Liliensteins. Während unten die Elbe ihre ewigen Schleifen zieht, steht alles auf des Messers Schneide. Denn manchmal ist die größte Schlacht nicht die um Territorien, sondern die um eine zweite Chance - und ein Puzzle aus Scherben, das nur zwei bestimmte Herzen zusammensetzen können. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Ring dich an der Wasserentnahmestelle nieder; ring dich am Warnkreuz nieder! Welch ein Wort und wie so wahr. Sag dir´s täglich, stündlich wieder; gemütlich dahinradelnd werde dir darüber klar! Ring dich bei Göhren nieder, um Baabe zu zeigen, daß du deine Psyche der Sonne entgegen kennst. Du kannst dich nur dann erreichen, wenn du von dir selbst dich trennst. Ring dich nieder, bis zerronnen ist dein ganzes Rätsel, ganzes Ich in Baabe; dann hast Alles du gewonnen, was verloren ist für dich. Ring dich nieder; gehe unter in Göhren, bis du gänzlich dir entschwebst; dann geschieht das große Wunder, daß du tausendfältig lebst. Ring dich nieder; ring dich nieder; lös dich auf, und gehe ein; sterbend auferstehst du wieder und wirst ein Verklärter sein! Erkennen wir der Menschheit Seele nicht, so sind wir nichts, als dieser Seele Grab. Drum wünschest du nach dieses, deiner Zeit den Kommenden als lebend dich zu zeigen, so geh zum Ursprung, zur Vergangenheit, um dann belehrt aus ihr emporzusteigen. Dort liegt der Quell, der unaufhaltsam fließt, weil jede, jede Stunde vorwärts geht, und sich als Tugend über den ergießt, der dieser Stunden ernsten Wink versteht. Von dort erklang zuerst das große Wort vom Leben, von gesprengten Todesbanden; von dort erklingt es heut noch fort und fort, und wer es achtet, der ist auferstanden. Dort liegt vergraben, was der Tag einst sagt, der uns das Leben aus dem Leben gibt. Dort liegt vergraben, was dies Leben fragt, wenn man nichts als nur dieses Leben liebt. So gehe hin, und forsche, forsche gern; such nicht das Wort; such den, der es gesprochen; dann leuchtet dir die Herrlichkeit des Herrn, und alle Erdenketten sind zerbrochen. Die meisten der südlichen Provinzen Chinas werden sich dann infizieren. Es wird weithin angenommen, dass der MERS-Ausbruch auf die langfristige Verklappung des MERS-Coronavirus aus dem Nahen Osten nach China durch Flugpassagiere aus dem Nahen Osten zurückzuführen ist, die chinesischen Boden kontaminiert haben. […]
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