Unterwegs auf stürmischen Meeren.

Die Seele schwimmt voraus während der Körper am Ufer zögert.

In Ribnitz, an der flachen Küste Mecklenburgs, kannte jeder den Moment, in dem der Blick über die Dünen hinaus ins Nichts ging. Die meisten Männer meines Vaters Generation sprachen nicht darüber. Sie schnitzten an ihren Pfeifen, tranken ihr Bier und beobachteten die Möwen. Ich konnte das stumme Starren nicht ertragen. In mir war kein stilles Summen, es war ein Dröhnen. Ein anhaltender Basston der Unzufriedenheit, der lauter wurde mit jedem gleichförmigen Tag. Die Deiche rochen nicht nach Abenteuer. Sie rochen nach modriger Erde und festgefahrenem Schicksal. Ich war zwanzig Jahre alt, und meine Hände waren noch weich. Sie waren nicht für das Ziehen von Netzen oder das Halten von Pflügen gemacht. Sie blätterten die zerfledderten Seiten der Fahrtenberichte meines Großvaters auf, bis das Papier an den Ecken schwärzlich wurde. In diesen Berichten lebte eine andere Welt. Sie roch nach Salz und Teer, nicht nach feuchtem Heu. Dieser Prolog ist keine Wehmut. Es ist das Protokoll einer Entscheidung, die in mir reifte, während der Wind vom Meer kam und um das Haus pfiff.

Der Geruch von frisch gebackenem Brot war an jenem Morgen die reinste Folter.

Er hing in der Küche, warm und tröstlich und beängstigend vertraut. Ich packte mein Bündel. Es enthielt zwei wollene Hemden, die Fahrtenberichte und ein Stück hartes Brot. Meine Mutter sagte nichts. Sie strich mir nur über die Haare, eine Geste, die ich seit meiner Kindheit kannte. Ihr Blick ging an mir vorbei, hin zum Fenster und dem flachen Land dahinter. Die anderen Jungen vom Dorf hatten mich ausgelacht. Ein Träumer, sagten sie. Du wirst zurückkommen, mit dem Schwanz zwischen den Beinen. Ihre Worte prallten ab. Die Geschichten des alten Ole, der in Konstantinopel gewesen war und Sultane beliefert hatte, brannten heller in mir als jedes Lagerfeuer. Ich war nicht auf der Flucht. Ich war auf der Suche. Als ich die Tür hinter mir schloss, war das Dröhnen in meiner Brust plötzlich verstummt. Es war jetzt nur noch eine tiefe, klare Stille. Der Weg nach Rostock lag vor mir.

Rostock schlug mir entgegen wie eine Faust aus Lärm Gestank und purem Leben.

Meine Stiefel, voller Ribnitzer Sand, traten auf holpriges Kopfsteinpflaster. Der Geruch war betäubend. Salz. Faulendes Fischwasser. Teer, so scharf, dass es im Rachen kratzte. Und über allem der süßliche Duft von frisch gesägtem Holz. Ein Wald von Masten stand gegen den grauen Himmel, und jedes Schiff schien zu rufen. Ich ging von Werft zu Werft, ein Grashüpfer zwischen Riesen. Meine Stimme war ein Krächzen in dem Gebrüll der Hafenarbeiter und dem Kreischen der Möwen. Die Absagen waren kurz, abgehackt, ohne Interesse. Dann traf ich auf den Kapitän der Friederich Franz. Sein Gesicht war eine Landkarte aus Narben und wettergegerbter Haut. Er musterte mich, sah meine weichen Hände, mein jugendliches Gesicht. Brauchen einen Mann für die Küche und zum Deckschrubben, sagte er. Nach St. Petersburg. Willst du? Ich nahm den Federkiel und unterschrieb. Das Krachen der Siegellackdose war das Geräusch meines alten Lebens, das zerbrach.

Die Romantik der Seefahrt starb in der ersten Stunde an Bord der Friederich Franz.

Das Schiff roch nach nassem Holz, altem Schweiß und ranzigem Fischöl. Meine Koje war eine feuchte, dunkle Nische. Die Arbeit begann sofort. Ich schrubbte das Deck, bis meine Knie schmerzten und das Salzwasser die Haut aufriss. Die Wanten zu erklimmen war ein Kampf gegen die Höhe, den Wind und meine eigene Schwäche. Ole, der alte Matrose, mein Lehrmeister, beobachtete mich. Er war ein schweigsamer Mann, dessen Augen die Farbe des Nordatlantiks im Winter hatten. Er sprach nur, wenn es nötig war. Das Meer ist kein Feind, Junge, sagte er eines Tages, als ich grün im Gesicht über der Reling hing. Es ist ein Tanzpartner. Du lernst die Schritte, oder du gehst unter. Ich lernte. Die Nächte waren die schlimmsten und die schönsten. Die Kälte kroch durch die Wolldecke. Aber draußen, an Deck, wenn die Wache still stand, leuchteten die Sterne mit einer solchen unmenschlichen Klarheit, dass ich meinen Atem anhalten musste. Sie waren meine neue Landkarte.

Die Nacht, in der Ole von seiner verlorenen Liebe sprach.

Es war eine jener Nächte, in denen der Wind schlief und das Schiff sich kaum bewegte. Ich fand Ole am Heck, seinen Blick in das schwarze Wasser versenkt. Er sprach nicht oft von sich. An diesem Abend tat er es. Ich war einmal verheiratet, sagte er, ohne mich anzusehen. Eine Frau in Warnemünde. Ich dachte, das Meer würde mir gehören. Aber sie war es, die mir gehörte. Er hielt inne, seine Hände umklammerten die Reling. Ich war drei Jahre unterwegs. Als ich zurückkam, war sie fort. Nicht gestorben. Nur fort. Mit einem anderen. Er lächelte, ein bitteres, schmales Ding. Das Meer nimmt einem vieles, Junge. Aber manchmal nimmt es einem auch das, was man nicht missen wollte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ole sprach weiter, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Ich bin seitdem auf See geblieben. Irgendwann wird das Meer auch mich nehmen. Vielleicht ist es dann genug. Er wandte sich mir zu. Sein Gesicht war eine Maske aus Narben und Schweigen, aber seine Augen glänzten. Fahr nicht zu lange, Junge. Irgendwann findest du den Weg zurück. Oder du verlierst ihn für immer. Ich nickte. In dieser Nacht schlief ich nicht.

Monotonie ist ein stiller Wolf der das Denken frisst.

Wochen vergingen, in denen sich nichts änderte außer der Farbe des Himmels. Das Knarren des Schiffes wurde zum einzigen Gesprächspartner. Wir aßen denselben Grützebrei, tranken dasselbe abgestandene Wasser, vollführten dieselben Handgriffe im Schlaf. Die Weite des Ozeans, die mich anfangs euphorisch machte, wurde zu einer gläsernen Gefängniswand. Einige Männer zogen sich in sich zurück, ihre Blicke wurden stumpf. Andere fingen sinnlose Streits an, nur um etwas zu fühlen. Ich begann, die kleinsten Abweichungen zu sammeln wie Schätze. Ein fliegender Fisch, der auf Deck landete. Eine Wolke, die wie ein Hund aussah. Die Art, wie Ole jeden Morgen genau siebenmal seinen Kaffee umrührte, bevor er ihn trank. In dieser leeren Zeit lernte ich das Schiff und seine Geräusche auswendig. Jedes Ächzen hatte eine Bedeutung. Jeder Windstoß erzählte eine Geschichte. Die größte Herausforderung war nicht der Sturm, sondern diese sanfte, zermürbende Ewigkeit. Sie lehrte mich Geduld. Sie lehrte mich, mein eigenes Unternehmen zu ertragen.

Die Newa trug das pastellfarbene Licht der Paläste wie flüssiges Gold.

Nach der endlosen Bläue war St. Petersburg ein Schock aus gerader Linie und steinerner Pracht. Alles war geordnet, kühl, berechnet. Selbst der Schlamm auf den Kaiplätzen schien ordentlicher als der Schmutz von Rostock. Wir luden Getreide ab. Die Luft roch nach Flusswasser, Pferdedung und dem süßlichen Parfüm der vornehmen Passanten. Ich bekam Landgang. Ich schlenderte durch die breiten Alleen, ein Gespenst in schmutziger Seemannskluft. In den Fenstern der Paläste spiegelte sich die bleiche Sonne. Ich fühlte mich nicht wie ein Eroberer. Ich fühlte mich unsichtbar. Die Stadt war ein wunderschönes, kaltes Gemälde, und ich war ein Fleck Farbe, der nicht hineingehörte. Zurück an Bord war ich froh über den vertrauten Gestank, das vertraute Ächzen. Ole fand mich beim Reinigen der Taue. Gefällt dir die große weite Welt, fragte er trocken. Sie ist größer als ich, antwortete ich. Zum ersten Mal lächelte er. Ein kurzes, knappes Zucken der Lippen. Das ist der Anfang von Weisheit, sagte er.

Der erste Riss im Vertrauen.

Der erste Gegenstand verschwand in einer ruhigen Nacht. Einem jungen Matrosen fehlte sein Tabakbeutel, ein Geschenk seiner Mutter. Er suchte, fluchte, gab auf. Die anderen zuckten die Achseln. Vergessen, sagte der eine. Verlegt, sagte der andere. Aber ich sah den Koch Graumann lächeln. Ein kleines, schnelles Lächeln, das sofort wieder verschwand. In der nächsten Woche fehlte ein Seidenschal, den der Steuermann aus St. Petersburg mitgebracht hatte. Dann verschwand ein Messer, guter Stahl, mit Perlmuttgriff. Die Gespräche an Bord wurden leiser. Die Blicke wurden länger. Der Kapitän ließ verlauten, er werde keine weitere Dieberei dulden. Graumann stand bei diesen Worten an der Luke, seine Hände in den Taschen, sein Gesicht eine Maske aus Gleichmut. Ich sagte nichts. Aber ich begann, ihn zu beobachten.

Das Netz aus Schweigen und Verdacht.

Zwei Wochen später fehlte eine goldene Uhr. Sie gehörte dem Ersten Steuermann, einem stillen, pflichtbewussten Mann. Er durchsuchte seine Koje, seine Kleider, seine Hände. Nichts. Die Stimmung an Bord kippte. Die Männer sprachen nicht mehr miteinander, sie flüsterten. Einer warf mir einen Blick zu. Dann der nächste. Ich war der Jüngste, der Neueste. Der Verdacht legte sich auf mich wie nasser Nebel. Ich verteidigte mich nicht. Was hätte ich sagen sollen? Ole stand zu mir. Das war alles. Er redete nicht für mich, aber er stand neben mir, wenn die anderen mich musterten. Graumann sah mich oft an. Sein Blick war ein dünner Faden, der mich umschloss. In der dritten Nacht, als ich Wache hielt, hörte ich Schritte im Dunkeln. Ich erstarrte. Eine Gestalt glitt zur Kapitänskajüte, drückte sich gegen die Tür. Ich erkannte den Gang, die schmalen Schultern. Graumann. Ich zog mich zurück, sagte nichts. Aber ich wusste jetzt, wohin ich suchen musste.

Die Stunde der Entscheidung.

Ich erzählte Ole von meinem Verdacht. Er hörte zu, schwieg lange. Dann sagte er: Du musst sicher sein. Ein falscher Verdacht zerreißt mehr, als ein Dieb es je könnte. Ich nickte. In der nächsten Nacht, als Graumann in der Kombüse war, durchsuchte ich seine Koje. Nicht die Matratze, nicht die Kiste. Das war zu offensichtlich. Ich suchte hinter den losen Planken, unter dem Boden. Dort fand ich den Beutel. Die Uhr, der Tabak, der Schal, das Messer. Ich legte alles zurück. Dann wartete ich. Drei Tage. Am vierten Tag meldete sich der Erste Steuermann wieder beim Kapitän. Die Uhr sei noch nicht aufgetaucht. Der Kapitän rief die Männer zusammen. Ich werde jetzt jede Koje durchsuchen, sagte er. Graumann stand regungslos. Sein Gesicht war bleich. Ich hob die Hand. Das ist nicht nötig, sagte ich. Ich weiß, wo die Sachen sind. Graumann zuckte nicht einmal. Seine Augen wurden schmal. Ich ging zu seiner Koje, zog die lose Planke zurück, holte den Beutel hervor. Ich legte ihn vor den Kapitän. Die Stille war ohrenbetäubend.

Die Stunde der Abrechnung.

Graumanns Gesicht wurde weiß, dann rot. Er trat einen Schritt auf mich zu, seine Hände zu Fäusten geballt. Du Lügner, zischte er. Du hast das da hingelegt. Ich bin nicht von deiner Sorte. Ich rührte mich nicht. Ole trat neben mich, sagte nichts, stand nur da. Der Kapitän öffnete den Beutel. Die Uhr, der Tabak, der Schal, das Messer. Alles da. Graumann, sagte der Kapitän. Seine Stimme war ruhig, aber jeder im Raum spürte die Kälte. Graumanns Schultern sanken. Er sah sich um, suchte nach einem Verbündeten. Er fand keinen. Die Männer wichen zurück, als wäre er giftig. Der Kapitän gab den Befehl, Graumann in Ketten zu legen. Die Konfrontation war kurz und brutal. Graumann wehrte sich nicht. Er starrte nur mich an, als er abgeführt wurde. Später, als alles vorbei war, reichte Ole mir seine Tabaksdose. Du lernst, sagte er. Mehr nicht. Aber es war genug.

Hitze traf uns wie eine feuchte duftende Wand.

Nach der kargen Kühle von St. Petersburg war Rio ein sinnlicher Overkill. Die Luft roch nach überreifen Früchten, scharfem Gewürz und Abfall. Goldener Sand, smaragdgrünes Wasser, und über allem thronte der Berg mit dem Erlöser, als wäre die Stadt selbst ein frommes Gebet. Im Hafen traf ich einen betrunkenen Seemann. Seine Augen waren milchig, seine Hände zitterten. Er hielt mich am Ärmel fest. Jeder trägt was mit sich rum, Junge, lallte er. Die meisten lassen es in der Tasche vergammeln, wie altes Brot. Ich roch den Rum in seinem Atem und sah die leere Hoffnung in seinem Blick. In diesem Moment, umgeben von diesem fremden, lebendigen Chaos, spürte ich meine eigene Sehnsucht nicht als Schmerz, sondern als Antrieb. Sie war frisch. Sie war hungrig. Ole sah mich an, als ich zurück zum Schiff ging. Er sagte nichts. Er nickte nur einmal, kaum merklich. Es war die erste Anerkennung, die ich von ihm bekam.

Die neue Zeit dampft heran.

In Rio hörte ich zum ersten Mal die Männer über die Dampfschiffe reden. Sie brauchen keinen Wind, sagte einer. Sie fahren, wann sie wollen. Die Älteren schüttelten die Köpfe. Kein richtiges Schiff, murmelten sie. Ein Ofen mit einem Schornstein. Ole saß in der Ecke, hörte zu, sagte nichts. Später, an Deck, fragte ich ihn. Was wird aus uns, wenn die Dampfer kommen? Er zog an seiner Pfeife, blickte übers Wasser. Was immer aus denen wird, die nicht mehr gebraucht werden, sagte er. Aber vielleicht braucht die Welt auch noch uns. Für die Geschichten. Ich wusste nicht, was das bedeuten sollte. Aber ich spürte, dass die Zeit sich veränderte, schneller, als wir es wollten. In New Bedford, so erzählte man, würden die Walfänger noch lange Segel setzen. Aber das Dampfschiff, das wir später auf dem Atlantik sahen, war schneller, lauter, fremder. Es ließ uns zurück wie eine vergessene Melodie. Ole stand an der Reling und sah ihm nach. Das ist die Zukunft, sagte er. Aber die Vergangenheit hat noch nicht ausgedient.

Krankheit verwandelt ein Schiff in ein schwimmendes Lazarett der Angst.

Es begann mit Gliederschmerzen, dann folgte das heiße, trockene Fieber. Nicht Skorbut, sondern ein tropisches Fieber, das wir aus Rio eingeschleppt hatten. Einer nach dem anderen fiel um. Ich war unter den ersten. Die Welt schrumpfte auf den Dunstkreis meiner Koje. Jeder Atemzug war ein brennender Widerstand. Das Schiff schwankte, und dieses Schwanken drang bis in meine Knochen, vermischte sich mit dem Wahn. Ich sah Gesichter an der Decke, hörte Stimmen im Knarren des Holzes. Ole pflegte mich. Der wortkarge Alte wusch mein Gesicht mit kühlem Wasser, zwang mir Schlucke Wasser ein. Seine rauen Hände waren überraschend sanft. Ich sah, wie auch er erschöpft war, wie er sich um andere kümmerte. In dieser Hölle der eigenen Schwäche lernte ich eine neue Art von Gemeinschaft. Männer, die sich sonst kaum grüßten, reichten einander Wasserflaschen. Der Kapitän teilte seinen privaten Rumvorrat als Medizin. Das Fieber brach die Hierarchien auf. Es blieb nur die nackte, zerbrechliche Menschlichkeit. Als ich wieder klar sah, war Ole an meiner Seite. Er nickte. Du bist durch, sagte er. Es klang wie ein Urteil. Ein Überlebensurteil.

Das Meer kann sich in Minuten von einem sanften Riesen in ein wütendes Ungeheuer verwandeln.

Der Himmel über der Meerenge verdunkelte sich, als hätte jemand eine Decke darüber geworfen. Der Wind heulte auf. Wellen, so hoch wie Häuser, türmten sich auf und brachen über das Deck. Das Schiff ächzte und knarrte in jedem Spant. Befehle wurden gebrüllt und vom Sturm verschlungen. Ich sah die nackte Angst in den Gesichtern der erfahrensten Männer. Meine eigene Kehle war wie zugeschnürt. Dann sah ich Ole. Sein Gesicht war eine Maske aus Konzentration, nicht aus Furcht. Er bewegte sich mit einer trägen Eleganz, band Taue, sicherte Ladung. Ich kopierte seine Bewegungen. Meine Handflächen rissen auf, das Salzwasser brannte in den Wunden. Wir kämpften nicht. Wir duckten uns. Wir überdauerten. Als der Sturm acht Stunden später abzog, lag das Meer da, glatt und unschuldig, als hätte es nur geträumt. Ich war erschöpft, durchweicht, jede Faser schmerzte. Aber ich war am Leben. Ole reichte mir einen Lappen. Nicht schlecht, murmelte er. Das war alles. Es reichte.

Stille kann lauter sein als jeder Sturm.

Die Welt wurde blass. Das Meer war nicht mehr blau, sondern ein trübes Graugrün. Eisberge trieben vorbei, gespenstische, schimmernde Kathedralen. Die Kälte war eine lebendige Präsenz. Sie kroch durch jede Naht der dicken Wolle und biss ins Fleisch. Das einzige Geräusch war das Knirschen und Mahlen der Eisschollen am Rumpf. Ole stand eines Nachts neben mir an der Reling. Sein Atem bildete weiße Wolken. Dort drüben, sagte er und zeigte auf eine weiße Wand am Horizont. Da sind Männer verrückt geworden. Von der Schönheit. Von der Einsamkeit. Ich verstand ihn. Diese erhabene, tödliche Weite zog mich an und stieß mich gleichzeitig ab. Hier, am Ende der Welt, war ich weiter von Ribnitz entfernt als jemals zuvor. Und doch fühlte ich mich dem Jungen, der die Fahrtenberichte las, näher als je seit unserer Abreise. Er war auch hier. Er staunte.

Die Walfängerstadt roch nach Blut Tran und Geld.

Nach der Reinheit der Arktis schlug uns der Geruch von New Bedford entgegen, ehe wir den Hafen sahen. Ein süßlich-beißender Gestank von gekochtem Walrat, der sich in die Kleider fraß. Die Stadt war hart, geschäftig, ohne das bunte Chaos Rios oder die steinerne Würde St. Petersburgs. Hier ging es um den schnellen Dollar, den Tod im Nordatlantik, verpackt in Fässer mit Öl. Die Walfangschiffe hatten eine andere Aura. Sie waren schmutziger, gefährlicher, ihre Besatzungen hatten Blicke von Männern, die zu viel gesehen hatten. Wir nahmen Proviant auf. In einer Hafenschenke traf ich einen Harpunier, dessen rechter Arm bis zum Ellbogen fehlte. Er lachte über mein Erschrecken. Der Wal behielt ihn als Andenken, sagte er und hob sein Bierglas mit der Linken. Ich hab sein Leben. Fairer Tausch. Diese brutale Direktheit erschütterte mich. Es war eine andere Philosophie des Meeres. Nicht das Tanzen, von dem Ole sprach, sondern ein erbarmungsloser Krieg. Ich verließ New Bedford mit einem unguten Gefühl. Der Ozean hatte viele Gesichter. Dieses war das brutalste.

In der Bibliothek des alten Gelehrten roch es nach Honig Staub und tausend Jahren.

Die Stadt war ein Taumel aus Farben, Gerüchen und Sprachen. Der Basar schrie, der Muezzin sang. Doch ich floh in die Stille dieser Kammer. Bücherreihen bis unter die Decke. Der alte Mann beobachtete mich, wie ich vorsichtig einen ledergebundenen Folianten aufschlug. Die Karten in diesen Büchern, junger Freund, sagte er mit einer staubtrockenen Stimme, zeigen Inseln, die kein Schiff je anlaufen kann. Inseln der Seele. Seine Worte trafen mich anders als die des betrunkenen Seemanns in Rio. Sie gaben meiner Irrfahrt einen Sinn, den ich nicht in Worte fassen konnte. Ich war nicht nur unterwegs, um Orte zu sehen. Ich war unterwegs, um mich selbst zu kartographieren. Als ich die Friederich Franz wieder betrat, trug ich ein unsichtbares Buch bei mir. Ole musterte mich. Du siehst anders aus, sagte er. Ich fühlte mich anders.

Der Duft von Bordeaux war der Duft von Zuhause der mich unerwartet traf.

Es war nicht der Geruch meiner Mutter Küche. Es war der Geruch von Reben in der Sonne, von reifendem Obst und gebackenem Brot aus einer fremden Bäckerei. Aber er weckte eine schmerzhafte, tiefe Sehnsucht. Ich saß am Kai und blickte auf das dunkle Wasser. Zum ersten Mal dachte ich nicht an das, was vor mir lag, sondern an das, was hinter mir lag. Die sandigen Gassen von Ribnitz. Das Gesicht meiner Mutter. Der Rauch der Torfstechereien. Ich hatte Stürme überlebt und Eiswüsten durchquert. Ich hatte mich in fremden Sprachen verirrt und war in Büchern gefunden worden. Doch ein Teil von mir hatte nie den Deich in Ribnitz verlassen. Er hatte nur gewartet. In dieser Nacht traf ich meine Entscheidung. Ich würde noch eine Reise antreten. Die letzte. Die Heimreise.

Heimkehr ist die schwerste aller Reisen denn man kehrt zu einem Ort zurück der so nicht mehr existiert.

Der Hafen von Rostock roch wie immer nach Teer und Fisch. Doch meine Nase roch nun die Nuancen. Den säuerlichen Duft der Werften, den süßlichen von fermentiertem Getreide. Ich sah die Welt mit alten, neuen Augen. Mein Großvater und meine Mutter standen am Kai. Sie waren kleiner, als ich in Erinnerung hatte. Ihre Gesichter waren von Erleichterung und einer vorsichtigen Freude gezeichnet. Sie umarmten mich, und ich spürte die Derbheit ihrer Kleidung, die Zärtlichkeit ihrer Hände. Ich war zurück. Der Junge aus Ribnitz war nicht mehr da. An seiner Stelle stand ein Mann mit Narben an den Händen und einer Bibliothek im Kopf. Ich erzählte von Rio, von Spitzbergen, von Messina und Konstantinopel. Die Worte flossen leicht. Aber das Schönste war das Zuhören. Das Verwurzeltsein. Das Angekommen sein.

Die ersten Jahre nach der Rückkehr.

Die ersten Monate waren schwerer als jeder Sturm. Ich stand morgens auf und wusste nicht, wohin mit meinen Händen. Sie waren für das Setzen von Segeln gemacht, für das Halten von Tauen. In Ribnitz gab es keine Wanten zu erklimmen, keine Kojen zu schrubben. Ich half auf den Feldern, half beim Fischen, half, wo man mich brauchte. Aber meine Gedanken waren auf See. Meine Mutter sagte nichts, aber sie sah es. In den Abendstunden saß ich auf dem Deich und starrte auf die Ostsee. Sie war nicht die große, weite Welt. Sie war nur ein kleiner, grauer Fleck am Horizont. Aber sie war Wasser. Sie war Bewegung. Und sie erinnerte mich an alles, was gewesen war. Eines Tages fand ich ein Stück Holz am Strand. Es war glatt, vom Salzwasser poliert, von der Sonne gebleicht. Ich nahm es mit, legte es auf den Tisch. Ich wusste nicht, warum. Am nächsten Tag fand ich ein zweites Stück. Dann ein drittes. Ich begann zu schnitzen. Nicht gut, nicht kunstvoll. Aber es füllte meine Hände. Ein Kiel, ein Rumpf, ein Mast. Es wurde die Friederich Franz. Meine Mutter fand sie eines Morgens auf dem Fensterbrett. Sie lächelte. Das ist schön, sagte sie. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. In den nächsten Jahren baute ich weitere Schiffe. Die Friederich Franz, die ich nach meiner ersten Reise nannte. Ein Walfänger, so wie jene in New Bedford. Ein Dampfschiff, so wie jenes, das uns überholte. Ich schenkte sie den Kindern im Dorf. Sie kamen, sahen zu, fragten nach den Geschichten. Ich erzählte von Ole, von Graumann, von der Bibliothek in Konstantinopel. Sie hörten zu, mit offenen Mündern. Manchmal, wenn ich fertig war, fragten sie: Ist das wahr? Ich zuckte die Achseln. Es ist wahr genug, sagte ich.

Ich baue jetzt Schiffe die nie in See stechen und doch ganze Welten tragen.

Meine Werkstatt in einer Rostocker Seitenstraße ist voller Miniaturen. Da ist die Friederich Franz, jedes Detail perfekt. Da ist ein Eisberg aus weißem Holz. Da ist ein Basar aus winzigen Farbtupfern. Die Kinder aus der Nachbarschaft kommen und bestaunen sie. Sie wollen Geschichten hören. Ich erzähle von der Hitze und der Kälte, von der Angst und der Stille. Ich erzähle von der Meuterei des kleinen Mannes und vom Dampfschiff, das uns überholte. Ich erzähle vom Fieber und von der Walfängerstadt. Am liebsten aber erzähle ich von Ribnitz. Von dem Deich, an dem alles begann. Das Summen in meiner Brust ist nicht verstummt. Es ist ein leises, konstantes Brummen geworden, der Sound des eigenen, gefundenen Mittelpunkts. Das Meer hat in mir Heimat gefunden. Und ich habe am Ufer meiner selbst angelegt. Manchmal, wenn der Wind von der Ostsee kommt, gehe ich zum Hafen. Ich sehe die jungen Männer anheuern, ihre Bündel, ihre ängstlichen, hoffnungsvollen Blicke. Ich wünsche ihnen gute Reise. Und eine sichere Rückkehr.


Mit der Melancholie des Wartens und der Liebe zu den Küstendörfern,
Ihr Freigeist der Ozeane und Träumer von fernen Ländern hinter den Weltmeeren.

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass sich Hinnerks Kompass nicht an den Launen der Geschichte orientierte und die Namen mancher Orte von Weltkriegen, Ideologien oder auch nur dem Wandel der Orthografie verändert wurden. Sein wahrer Heimathafen lag ohnehin jenseits aller Karten und Gesetzbücher. Wir wissen, dass ein Ort existiert, solange er in der Erinnerung der Menschen weiterlebt, nicht in den Akten der Bürokraten.

Quellenangaben:
Inspiriert von den Mecklenburgischen Legenden, der stürmischen Ostsee und der Sehnsucht nach fernen Horizonten.
Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven
Kulturgeschichte Mecklenburg-Vorpommern
Rostocker Seeleute e. V.
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
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Rostock Seeman
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Reisen
Urlaub erleben Abenteuer und Erholung
reisen + lernen + informieren

Die Kammern in ihrer demokratischen Mehrheit begannen ihre Verhandlungen mit Anträgen wegen Aufhebung des Belagerungszustandes und Ertheilung einer Amnestie für die minder gravirten Theilnehmer am Aufstande, erhielten aber von dem Ministerium keine Zusage. Im Verlaufe zeigten sie sich der Regierung etwas willfähriger, aber in der Deutschen Frage kam es zum Bruch mit beiden. Zunächst sprach sich die Kammer am 7. März 1850 für schleunige Erledigung der deutschen Verfassungsfrage im Geiste der Begründung eines Bundesstaates mit parlamentarischer Regierung und einer aus Volkswahlen hervorgegangenen Volksvertretung aus, beschloß die Regierung zu sofortiger Wiederbeschickung des Verwaltungsrathes zu veranlassen und wahrte sich endlich ihr Recht der Zustimmung zu jeder Feststellung einer deutschen Verfassung, woran die Regierung sich betheiligen würde (diese Verwahrung aber bezog sich auf die von Seiten des Ministeriums gegebenen Andeutungen über anderweit getroffene Vereinbarungen in der Deutschen Frage). Verstanden hat er ihn freilich erst viel später, als das rastlose Winken höherenorts schon eine Art von Sturm hervorgerufen hatte, welcher endlich den Herrn Obristen von dem gefährlichen Gipfel eines Regimentskommandos sachte in das beschauliche Tal des Ruhestandes herunterwehte, in dem er sich nun nach wie vor sinnend erging. Denn es lag etwas Versonnenes in seinem Wesen, welches man auch durch dieses Beispiel beleuchten kann. Er war ein Mann, der die Tiefen des Lebens nach den schauerlichen Abgründen alter Kalendergeschichten bemaß und sich oft verwunderte, wie hoch er, allen Fährlichkeiten zum Trotz, auf der irdischen Rangleiter emporgekommen war. Der alte Herr freute sich daran und erkannte von einem Mal zum nächsten immer deutlicher die Köstlichkeit seines Witzes, den er beim Abendessen, natürlich nachdem die Kinder zu Bette waren, gerne seiner Lotti wiederholte. Seit er erfahren hatte, daß der verstorbene Wanka fürstlicher Förster gewesen war und daß auch Frau Josephine dann und wann im Schlosse Frauenberg die Kammerfrau vertreten mußte, sah er die Witwe gerne in seinem Hause und fühlte einen Hauch indirekter Fürstenhuld von dieser Familie ausgehen. […]
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Die Art, wie Schinkel zu reisen pflegte, gewährte ihm (ich deutete dies schon an) eine große geistige Erholung, aber eine körperliche kaum. Denn er, dessen ganzes Wesen überhaupt derart auf das Geistige gerichtet war, daß er sich mit allen physischen Bedürfnissen so kurz und mäßig wie nur immer möglich abfand, hatte gerade dann am allerwenigsten ein Ohr für die Forderungen des Körpers, wenn sein Geist, wie immer auf Reisen geschah, doppelte und dreifache Nahrung empfing. So kam es, daß seine ursprünglich robuste Natur vor der Zeit zu wanken begann, weshalb er sich auch von 1832 an fast alljährlich genötigt sah, statt zu Reisen für Auge und Herz, zu Badekuren seine Zuflucht zu nehmen. Marienbad, Karlsbad, Kissingen wurden abwechselnd gebraucht. Auch im Sommer 1839 war er wieder in Kissingen gewesen, hatte von dort aus München besucht, wo die eben damals entstandenen griechischen Landschaften Rottmanns noch einen überaus harmonischen Eindruck auf ihn gemacht hatten, und allen Briefen nach, die eintrafen, schien er ein Genesener und bei heiterster Stimmung zu sein. Aber schon bei seiner Rückkehr nach Berlin zeigte sich eine große Erschöpfung. Er nahm noch teil an allem, indes die Mattigkeit wuchs. Auch ein Ausflug im nächsten Sommer versagte den Dienst und schwer krank kehrte er am 7. September (1840) nach Berlin zurück. Eine allgemeine Apathie kam über ihn, der Puls zeigte kaum noch fünfzig Schläge in der Minute, und eine Verdunkelung des einen Auges gab zur Befürchtung des Schlimmsten Veranlassung. Ein Aderlaß wurde angeordnet, aber schon nach wenigen Minuten sank er in eine tiefe Ohnmacht, um nie wieder zum vollen Bewußtsein zurückzukehren. Und doch lebte er noch länger als ein Jahr. Sie begab sich auf ein einsames Schloß, das im dichten Walde lag, um dort ihren Gatten zu beweinen. Noch nicht lange auf dieser Burg angelangt, hörte sie eines Abends an ihre Türe klopfen, und als sie herein rief, da kam ein Zwerglein auf sie zu in blauem Gewand und machte ihr einen freundlichen Knix. […]
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Das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Hüttertal zwischen Wallroda und Radeberg liegt im Übergangsbereich vom Westlausitzer Hügel- und Bergland zum Schönfelder Hochland. Ludwig Langbein errichtete nach dem Siebenjährigen Krieg im Hüttertal eine Gartenanlage mit Springbrunnen, Lusthäuschen und Statuen. Die Grundherrschaft in Seifersdorf hatten die Besitzer des Seifersdorfer Rittergutes, aus dem das 1819 bis 1823 durch Karl Friedrich Schinkel im Stil der englischen Neogotik umgestaltete Schloss Seifersdorf hervorging. 1553-75 errichtete Christoph von Carlowitz Schloss Hermsdorf, im Renaissancestil. Besitzer von Schloss Hermsdorf waren ab 1586 Hans von Zschieren, ab 1657 Oberhofmarschall Hans Georg Freiherr von Rechenberg, ab 1699 Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming; dessen Sohn Adam Friedrich ließ nach einem Brand 1729 ein neues Barockschloss errichten, George Bähr war an der Planung beteiligt. Er erzählte den Leuten im Dorfe, was ihm begegnet war. Die Leute meinten, er sei jedenfalls dem Kriegsschatze nahe gewesen, der droben am Sibyllensteine vergraben liege. Durch seine Furchtsamkeit habe er aber das ihm winkende Glück sich verscherzt. Unter jenem Baumstumpfe sei ganz wahrscheinlich jener Kriegsschatz vergraben gewesen. Hätte er ruhig fortgearbeitet, dann würde er ein reicher Mann geworden sein. Am andern Tage begab sich jener Waldarbeiter mit noch einigen Männern in aller Früh auf den Sibyllenstein. Es wurde jener Baumstumpf mit aller Sorgfalt ausgegraben, im weiten Umkreise durchwühlte man die Erde, aber von einem Schatze wurde auch nicht die Spur entdeckt. Im Jahre 1886 wurde am westlichen Abhange, 150 Meter vom Felsenaltare entfernt, eine bronzene Streitaxt gefunden, die dem Kammerherrn von Bünau auf Bischheim, dem ehemaligen Besitzer des Luchsenburger Reviers, abgeliefert wurde. Einzigartiger Naturschatz bei ganz heiterem Wetter und bei klarer Luft kann man sogar den Kolmberg bei Oschatz deutlich erkennen, der aus weiter, weiter Ferne grüßend herüberwinkt. Nach Norden hin schweift das Auge auf die waldreiche Umgebung von Königsbrück. Rechts davon erhebt sich, sehr deutlich hervortretend, der zweigipflige Keulen- oder Augustusberg, den man vom Eggersberge aus in anderthalbstündiger Wanderung bequem erreichen kann. […]
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seiner Krieger Staunen und Entsetzen; der Muth ihrer Widersacher wurde von Neuem angefacht, und in wenigen Secunden war das Schlachtfeld von der Hälfte der Kämpfenden verlassen. Das traf auf Hessen-Kassel den Verbündeten von 1805 ebenso zu Kassel wollte nur so lange neutral bleiben, bis die Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war dann gedachte es, sich dem Sieger anzuschließen wie auf die Mecklenburger Lande, die Hansestädte und die thüringischen Kleinstaaten. Um seine Neutralität als Souverän vor den Augen Frankreichs zu demonstrieren, lehnte der Herzog im August 1806 den Wunsch seines obersten Kriegsherrn ab, in Berlin einen Operationsplan zu entwerfen. Noch im Jahr zuvor hatte Herzog Karl Wilhelm Ferdinand den Plan für eine eventuelle Teilnahme Preußens am Dritten Koalitionskrieg erarbeitet. König Friedrich Wilhelm III. mußte deshalb Generalleutnant von Rüchel sowie die Obersten von Phull und von Scharnhorst zu Planungen in die herzogliche Residenz nach Braunschweig entsenden! Mit dieser verheerenden Niederlage Preußens auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstedt geriet das Land unter französische Besatzung. Auch die Mobilisierung verlief zäh und unvollständig. Im Kampf kam immer nur ein Teil der Truppen zum Einsatz, während Reserververbände bis zur bitteren Niederlage in der Hinterhand gehalten wurden. Außerdem war die Logistik höchst mangelhaft: es fehlten Lazarette, das Kartenmaterial war veraltet, und es gab erheblich zu wenig Zugpferde für die Artillerie. So befanden sich die Truppen als Konsequenz der seit Jahren aufgeschobenen Heeresreform in einem miserablen Zustand. Am Rande der Schlachten entgingen König FRIEDRICH WILHELM III. und Königin LUISE nur knapp der französischen Gefangenschaft. NAPOLÉON zog als triumphaler Sieger wenige Tage später in Berlin ein. Die Folgen der Niederlage wurden ein knappes Jahr darauf im Frieden von Tilsit festgeschrieben. Preußen verlor drei Viertel seines Staatsgebietes, musste hohe Kriegsentschädigungen an Frankreich entrichten und sein Heer auf 42 000 Mann reduzieren. Mit der napoléonischen Besatzung begann aber auch die Zeit umfangreicher Reformen, von denen allerdings viele nach dem Wiener Kongress 1815 wieder revidiert oder verwässert wurden. […]
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Dresden im Februar 2017 ist kein Ort der Postkartenidylle, sondern Schauplatz einer mystischer Metamorphose. Ein grauer, klammer Schleier liegt über den Gleisen von Strehlen, während der Morgen mit einer Stille anbricht, die sich körperlich falsch anfühlt. Über Jahrzehnte hinweg war das rhythmische Klacken der Räder an der Julius-Otto-Straße, Wasastraße die ungeschriebene Partitur des Erwachens, ein vertrauter, metallischer Atemzug, der den Schlaf der Anwohner wiegte. Doch dieser Takt ist nun unwiederbringlich verloren. An seine Stelle tritt ein unheimliches, tiefes Beben, das direkt aus dem Mark der Löbtauer Erde aufsteigt. Es ist der Start der Stadtbahn 2020, eine zweihundert Millionen Euro teure Vision, die sich mit Stahl und Beton ihren Weg bahnt und die Porzellantassen in den Küchen der löbtauer Villen erzittern lässt, Vorbote einer Zukunft, die keine Rücksicht auf die Echos der Vergangenheit nimmt. In diesem aufgewirbelten Staub, der nach dem kalten, beißenden Atem frisch geschnittener Bodenbeläge riecht, beginnt eine Operation am offenen Herzen der Stadt. Es ist ein chirurgischer Eingriff in das kollektive Gedächtnis ganzer Straßenzüge. Während schwere Maschinen die Erde wie eine historische Wunde aufreißen, kommen verbogene Leitungen zum Vorschein - die steinernen Rippen eines urbanen Organismus, der nun mit rücksichtsloser Präzision neu verdrahtet wird. Bewährte Wege werden auf provisorische Pfade verbannt, um Platz für ein neues, mächtiges Blutgefäß zu schaffen, das Strehlen und Löbtau miteinander verwebt. Doch während die Planer in ihren sterilen Büros von einem perfekten Einklang des Nahverkehrs träumen, wächst im Schatten der Bauzäune ein leiser, verzweifelter Widerstand. Es ist der Zusammenprall zwischen der gnadenlosen Mathematik der Effizienz und der zerbrechlichen Poesie der Heimat. Warum muss ein historischer Knotenpunkt geopfert werden, damit ein anderer zum schlagenden Herz werden kann? Bewohner klammern sich mit weiß gewordenen Knöcheln an das nasse Metall alter Haltezeichen, als könnten sie die fließende Geschichte allein durch Berührung stoppen, während andere jede gewonnene Minute als Triumph der Moderne feiern. Doch was geschieht mit der Seele eines Viertels, wenn die alten Netze endgültig gekappt werden? Die Weichen sind gestellt, die Motoren surren erwartungsvoll, doch im Dunkeln der frisch gegrabenen Schächte wartet eine Wahrheit, die kein Ingenieur vorhersehen konnte. Die Stadt holt tief Luft, doch es könnte der letzte Atemzug vor einer Entdeckung sein, die das gesamte Fundament für immer erschüttern wird. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Red Beach Bribie Island, Frenchman's Beach North Stradbroke Island, erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand in Australien das Bedürfnis nach einer eigenen Nationalküche, die nicht nur eine Kopie der englischen Küche ist. Bribe Island National Park auf Bribie Island, Sylvan Beach Bellara und die Gespenster auf dem Weg am flachen Ufer ein paar gute Bademöglichkeiten und zahlreiche Campingplätze mit großen Wiesenflächen, die bis an den See reichen. Cylinder Beach Point Lookout, Bongaree Beach Bribie Island, Shorncliffe Beach Brisbane, Woorim Beach Woorim, Highgate Hill occupies hilly ground bounded to the south by the Brisbane River. Together with West End and South Brisbane, it occupies a peninsula surrounded on three sides by the Brisbane River. From the central ridge occupied by Dornoch Terrace, land slopes steeply down towards the river to the south and north towards low-lying land of the two adjacent suburbs. To the east, further hilly land extends past Gladstone Road. In the 2011 census, Highgate Hill recorded a population of 5,824 people, 48.7% female and 51.3% male. Highgate Hill is served by a number of schools in nearby suburbs, including West End State School (1875), Dutton Park State School (1884) St. Ita's Primary School in Dutton Park and Brisbane State High School, South Brisbane. The median age of the Highgate Hill population was 34 years of age, 3 years below the Australian median. There has been some concern about the availability of sufficient school places following the rapid development in the area. In June 2017, the Queensland Government announced plans for the building of a new high school and expansion of the West End State School. At the highest point of Highgate Hill is a small park which boasts excellent views of the city and surrounding hills. It's particularly popular during summer due to the cool breezes. […]
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Wie wenn in Lybiens grausen Wüsten, Im glühend heißen Sand, Sich gattend ein Paar Schlangen nisten, Verderbend Flur und Land. Wenn dann in fröhlichem Getümmel Sich Schlang an Schlange schmiegt, Und nun in scheußlichem Gewimmel Die Brut im Neste liegt. Und wenn, wie ich sagte, um die Tugend des Moses zu sehen, nöthig war, daß das israelitische Volk in die Knechtschaft der Ägypter gerathen mußte; wenn, um die Seelengröße des Cyrus kennen zu lernen, die Perser von den Medern unterjnocht, und, damit des Theseus Werth zum Vorschein kam, die Athenienser zerstreut seyn mußten, so that es gegenwärtig noth, wenn eines Italischen Geistes Tugend erkannt soll werden, daß Italien dahin gerieth, wo es nun ist: daß es ärgere Sklavinn als Judäa, unterwürfiger als die Perser, zerstreuter als die Athenienser, ohne Oberhaupt, ohne Verfassung, gestäupt, verheert, berannt, zerfleischt war, und alle Arten des Verderbens über sich mußte ergehen lassen. Es ist alles dieses keine Parabel, auch keine Fabel, sondern lauter Gedanken, welche mir vorbilden, daß eine unglaubige Anzahl der unbehutsamen Adams-Kinder in das ewige Verderben gerathen wegen der Ehrabschneidung, massen bei dieser Welt solches Laster ganz gemein, wohl täglich, ja stündlich in allen Orten anzutreffen. An diesem Ort war eine unzählbare Menge der Verdammten bei einander: da war zu sehen ein neidiger Kain, ein großkopfeter Goliath, ein rothnasender Prasser, ein verbuhlter Vagao et cetera und viel Millionen anderer mehr. So bald ich mich aber in etwas wieder erhohlet, alsdann hab ich meinen Weg wieder weiter genommen, und kommen in die Gemein-Strasse, welche unerhört breit und lang war. Es ist mir vortragen worden, daß an diesem Ort, in dieser langen, weiten, breiten, tiefen Gasse lauter was? lauter Ehrabschneider im Verhaft liegen. Es ist mir zwar nachgehends eingefallen, wie daß der Schneider Anzahl sehr groß, als nemlich Kleiderschneider, Strohschneider, Steinschneider, Glassschneider, s. v. Sauschneider, Aufschneider auch gar viel. […]
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