Reiseland Deutschland

Reisen - Grenzstreitigkeiten Herzogthum Altenburg Deutscherzollverein Landtag

14.08.2014

Grenzstreitigkeiten mit dem Herzogthum Altenburg

Sein Sohn, Karl Friedrich, sicherte Aufrechthaltung der Verfassung und Regierung nach den Grundsätzen seines Vaters zu. Die politischen Aufregungen 1830 und 31 berührten Weimar fast gar nicht, doch kamen einige Weimarische Unterthanen wegen Theilnahme an politischen Verbindungen in Untersuchung. 1832 wurden langwierige Grenzstreitigkeiten mit dem Herzogthum Altenburg durch Tausch und Arrondirungen ausgeglichen. 1834 erschien ein neues umfassendes Erbfolgegesetz; die Verhältnisse der Juden wurden geregelt und ihnen die Erwerbung solcher Grundstücke in ihrem Wohnort gestattet, welche nicht landständische und grundherrliche Rechte haben; vom 1. Jan. 1834 an trat Weimar auch dem allgemeinen Deutschen Zollverein bei. Auf dem Landtage 1835-36 wurde die Annahme eines neuen Strafgesetzbuchs berathen und auf dem von 1838-39 die des neuen Sächsischen Criminalgesetzbuchs mit geringen Änderungen beschlossen; eine Beschwerde des Bischofs von Fulda, des Diöcesanen der Katholiken im Großherzogthum, daß nach einem früheren Gesetze der Weimarischen Regierung von 1823 die Kirche nicht neben, sondern unter dem Staate stehen sollte, was unvereinbar mit der Glaubenslehre, der Disciplin und den Rechten der Katholischen Kirche sei, wurde von den Ständen als unbegründet zurückgewiesen. 1841 trat auch in Weimar der 14-Thalerfuß ins Leben. Der neunte Landtag 1841-42 beschäftigte sich vornehmlich mit der Thüringischen Eisenbahn, soweit sie Weimar betraf, und ein Expropriationsgesetz wurde beschlossen; auch eine zweite von Eisenach und der Thüringer Bahn aus durch das Werrathal zum Anschluß an die Baierische Bahn, wurde schon damals berathen, kam aber erst 1845 zur Ausführung. Im Landtagsabschied wurde verfügt, daß künftig die Landtagsverhandlungen nicht mehr im Druck erscheinen sollten. 1842 wurden auch Differenzen über die Grenzen mit Meiningen ausgeglichen. Die Thätigkeit des Landtags von 1844 äußerte sich bes. in einem Antrag auf Erhöhung der Zölle zu Gunsten der Spinnereien und der Linnenindustrie, sowie auf Schiffbarmachung der Werra; betreffs der Thüringischen Eisenbahn erhielt die Regierung umfassende Vollmachten. Von nun an sollten auch die Landtagsprotokolle wieder veröffentlicht werden, doch nur die von den großherzoglichen Commissarien unterzeichneten und außerdem noch bes. censirte Protokolle. Im Jahre 1845 bildeten sich auch Deutschkatholische Gemeinden im Lande, aber die Regierung untersagte den Dissidentenpredigern alle für die bürgerliche Ordnung bedeutsamen gottesdienstlichen Handlungen und beauftragte protestantische Geistliche damit. Kaum hatte der am 21. Febr. 1847 eröffnete und nach langer Vertagung am 21. Febr. 1848 wieder zusammengetretene Landtag die Errichtung einer Landrentenbank und eine neue Proceßordnung berathen, als die Kunde von den Pariser Februarereignissen eintraf und nun auch Weimar in die allgemeine Bewegung hineingerissen wurde. Hatte sich das Land auch längst einer Verfassung zu erfreuen gehabt, so wußte man doch Beschwerden und Wünsche genug, und es wurde vom Landtag eine Petition an den Großherzog gerichtet, derselbe möge mit den übrigen deutschen Fürsten eine Vereinigung dahin treffen, daß überall die längst verheißenen Repräsentativverfassungen mit entscheidender Stimme der Stände bei Verwilligung und Verwendung der Steuern und bei der Gesetzgebung eingeführt, daß die Karlsbader und Wiener Conferenzbeschlüsse sammt den darauf gebauten Bundestagsbeschlüssen außer Kraft gesetzt, daß die Preßfreiheit nicht länger beschränkt, daß eine deutsche Nationalvertretung eingeführt und dabei die Verminderung und Umwandlung der stehenden Heere und gleichzeitig eine allgemeine Volksbewaffnung ins Auge gefaßt würden etc. Fast gleichzeitig aber war auch schon das Volk von der Bewegung erfaßt worden; überall gab es stürmische Bürgerversammlungen und besonders traten im Eisenacher Oberlande traurige Erscheinungen hervor, wo die meisten Forst- und Beamtenhäuser demolirt und die Beamten vertrieben wurden.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon
Band 14
Altenburg 1862
www.zeno.org

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