Sachsen Industrie

Die übrige Industrie, welche überhaupt auf einem sehr hohen Standpunkt steht, liefert Streichgarn (Wolle) in 172 Spinnfabriken u. verarbeitet dasselbe außer dem ausgeführten zu Tuch in Werdau, Kirchberg, Lengenfeld, Öderan, Roßwein, Döbeln, Leisnig, Oschatz, Großenhain, Bischofswerda, Bautzen, Kamenz u. Bernstadt, zusammen auf etwa 3000 Webstühlen; Kammgarn wird in 39 Fabriken bereitet u. auf etwa 10,000 Stühlen zu wollenen Zeugen, bes. Thibets, Merinos, Wollenmusselinen, Flanell, Buckskins, Teppichen etc. verarbeitet besonders in Reichenbach, Merane, Glauchau, Zschopau, Hainichen, Waldheim, Krimmitschau u. Chemnitz; wollene Strümpfe u. Fes (Mützen) für die Türkei liefert bes. Bautzen.

Baumwollenspinnereien zählt man 132; Kattune u. andere Baumwollenwaaren liefert auf 18,000 Stühlen das ganze Erzgebirge u. Voigtland, sowie die südliche Lausitz, dergl. Strümpfe auf 20,000 Stühlen bes. die Chemnitzer Gegend nebst den Schönburgischen Herrschaften, u. Leinwand u. Damast die südliche Lausitz; Seidenstoffe fabriciren Annaberg u. Frankenberg u. Plüsch Lausigk; Posamentirwaaren liefert Annaberg, Buchholz, Schlettau, Thum u. Umgegend, seidene seidene Bänder bes. Radeberg, leinene leinene u. baumwollene dagegen Pulsnitz u. Großröhrsdorf; Spitzen, Blonden u. genähte Waaren das Obererzgebirge u. Voigtland, deren Fertigung der Staat durch Klöppel- u. Nähschulen zu fördern sucht. Die wichtigsten Färbereien u. Appreturanstalten haben Chemnitz, Frankenberg, Glauchau u. Merane (gebleicht wird meist mit Chlor u. u. die Rasenbleiche ist nur noch für Linnen üblich). Papier liefern 66 Fabriken, incl. 6 Maschinenfabriken, jedoch lange nicht den nöthigen Bedarf; Strohflechtwaaren die Gegend zwischen Dresden, Pirna u. Altenberg; musikalische Blas- u. Streichinstrumente Markneukirchen u. Klingenthal nebst Umgegend, Pianofortes bes. Leipzig u. Dresden, Spiel- u. andere Holzwaaren das Erzgebirge, Wanduhren Karlsfeld u. Glashütte, Porzellan Meißen u. Zwickau, Glas (auch Spiegelglas) in 4 Hütten, Steingut Hubertsburg, Siebenlehn, Nossen, Pirna, Riesa, Colditz u. Königsbrück, Töpfe bes. Waldenburg, Kohren, Kamenz, Königsbrück u. Pulsnitz, Serpentinwaaren Zöblitz, Schießpulver in 5 Fabriken; ferner bereitet man Ruß, Pech, chemische Präparate, Farben, Argentan, Gold- u. Silberwaaren, Eisengußwaaren, chirurgische u. mathematische Instrumente u. Cigarren, letztere bes. in der Leipziger Gegend. Zahlreich u. wichtig sind die Maschinenbauanstalten (namentlich die Hartmannsche in Chemnitz, welche auch treffliche Locomotiven liefert) u. die Bierbrauereien, wogegen die Branntweinbrennerei sehr abgenommen hat. Der Handel, wegen dessen Sachsen seit 1834 dem Deutschen Zollverein beigetreten ist, wird theils auf der Elbe (meist Transitohandel), theils zu Lande betrieben. Ausfuhr: Wolle, wollene u. baumwollene Garne u. Waaren (s. oben), Leinwand, Bänder, Spitzen, von Mineralien bes. Steinkohlen, Pirnasche Sandsteine (bis nach Hamburg), Farben, Serpentin- u. Holzwaaren, musikalische Instrumente, Eisen- u. Blechwaaren, Porzellan, Schiffsbauholz, Wein, Leipziger Lerchen etc. Einfuhr: Getreide u. Salz, Baumwolle, Material- u. Luxuswaaren etc. Die Haupthandelsstadt ist Leipzig mit seinen berühmten 3 Messen; auch der deutsche Buchhandel hat in Leipzig seinen Hauptsitz u. seit 1834 seine Börse (vgl. Leipzig u. Buchhandel). Zur Förderung des Handels u. Verkehrs dienen außer der Leipziger Börse mehre Banken, als die 1839 mit einem Actiencapital von 1 1/2 Mill. Thlrn. begründete Leipziger Bank, die 1848 errichtete Chemnitzer Stadtbank, die 1844 errichtete Oberlausitzer Hypotheken-, Spar- u. Leihbank zu Bautzen u. der gleichzeitig begründete erbländische ritterschaftliche Creditverein zu Leipzig; zahlreich sind auch die Sparkassen. Assecuranzen für Feuer- u. Hagelschäden, für Flußschifffahrt u. Leben gibt es in Leipzig, in Dresden eine Rentenversicherungsbank. Für Industrie u. Handel bestehen zahlreiche Actienvereine bes. für Steinkohlenbau (37), für Kalk-, Marmor-, Sandstein- u. Dachschieferabbau, für Elbdampfschifffahrt (eine sächsisch-böhmische), für Eisenbahnen, für Kammgarnspinnerei zu Leipzig, mehre für Bierbrauerei, für Brodbäckerei bei Zwickau, für Mussirweine zu Niederlößnitz, für Zuckersiederei in Dresden, für Uhrenfabrikation in Karlsfeld. Außer der Elbschifffahrt, welche zum Theil mit Dampf betrieben wird u. seit 1821 frei ist, fördern den Handel auch zahlreiche u. gute Chausseen (377 Meilen lang) u. die Eisenbahnen (1856: 56 Meilen lang); letztere sind theils Staats-, theils Actienbahnen u. stehen unter den beiden Staatseisenbahndirectionen Staatseisenbahndirectionen in Leipzig (westliche) u. in Dresden (östliche); es es sind dies: die Leipzig-Dresdner, die Magdeburg-Leipziger, welche gleich der Thüringer (Leipzig-Weißenfelser) u. Leipzig-Bitterfelder Bahn Sachsen nur eine kurze Strecke berührt, die Sächsisch-Baierische, welche von Leipzig über Altenburg u. Werdau nach Hof führt u. durch Seitenbahnen auch Zwickau u. Glauchau berührt, die Glauchau u. Chemnitz berührende Zwickau-Riesaer mit ihrer Verlängerung, der Zwickau-Schwarzenberger Bahn (mit (mit Zweigbahn nach Schneeberg), die sich an diese anschließende Chemnitz-Würschnitzer Kohlenbahn, die Sächsisch-schlesische (Dresden-Görlitzer), an welche sich die Zittau berührende Löbau-Reichenberger anschließt, die Sächsisch-Böhmische (von Dresden nach Bodenbach), die Albertsbahn od. Dresden-Tharandter mit ihrer im Bau begriffenen Verlängerung nach Freiberg, u. die nur eine kurze Strecke sächsische Riesa-Jüterbogker Bahn. Nicht minder wichtig für Handel u. Verkehr sind die Posten (s.u. Post Sachsen 423) u. die in der neuesten Zeit angelegten elektromagnetischen Telegraphenlinien, deren Direction in Dresden ihren Sitz hat u. welche kraft Vertrag vom 25. Juli 1850, wodurch der Deutsch-österreichische Telegraphenverein ins Leben trat, mit den Linien der Nachbarstaaten in in Verbindung stehen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon,
Band 14
Altenburg 1862
 

Sachsen Industrie
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Der Herbstwind weht alte Geheimnisse durch die Gassen von Kamenz, trägt die Ausdünstung von feuchter Erde und Leichengeruch mit sich. Doch darin liegt nicht nur die Melancholie einer vergehenden Jahreszeit. Über der Stadt thront ein Kirchturm, seine Silhouette ein drohender Finger gegen den bleigrauen Himmel. In seinen steinernen Schatten, vor langer Zeit veränderte etwas, die Stadt für immer. Etwas, das sich in die Mauern, in die Herzen der Menschen fraß, und bis heute nicht zur Ruhe kommt. Ein eisiger Hauch, aus tiefsten, unheilvollen Abgrund der menschlichen Seele. Die Glockenschläge der alten Turmuhr zerreißen die Stille, keine Zeitansage, sondern ein dumpfer, unerbittlicher Rhythmus, ein Hämmern am geschlossenen Grab. Was, wenn die Vergangenheit nicht schlicht vergangen ist, sondern sich in jedem Stein, in jedem Atemzug manifestiert? Ein Mann trat einst auf die Bühne dieser Stadt, dessen wahres Wesen verborgen blieb hinter einem Schleier von Streit und Unruhe. Ein geistlicher Hirte, doch seine Seele war finsteren Mächten zugewandt. Seine Entlassung aus dem Amt war der Auftakt zum zehnjährigen Irrweg, der ihn letztlich in die kalten Gemäuer des Pulsnitzer Turms führte. Dort, in dieser feuchten, klaustrophobischen Enge, offenbarte die Inquisition sein Geständnis, das selbst die härtesten Herzen erstarren ließ. Ein Pakt, herausgeschrien unter der Pein von Folterinstrumenten, enthüllte eine Macht, die das Fassbare überstieg. Die Fähigkeit, unsichtbar zu werden, Geister zu beherrschen. Ein unheiliger Bund, der nicht nur sein Schicksal besiegelte, sondern ebenso einen Schatten auf Kamenz warf, der niemals verblassen sollte. Welche Preise werden für solche Kräfte gezahlt, und wer sind die wahren Gewinner in einem Spiel mit dem Übernatürlichen? Die Hinrichtung auf dem Marktplatz war kein Ende, sondern ein Anfang. Ein Fluch legte sich über die Stadt, ein unsichtbares Netz, das sich um jeden Bewohner spannte. Geisterhafte Schatten huschten durch die engen Gassen, ein kalter Windzug durchströmte geschlossene Fenster, und die Glocken läuteten ohne menschliche Hand. Die Angst war greifbar, ein schimmeliger Geruch in der Luft. Tapfere Seelen wagten sich in verstaubte Archive, durchsuchten vergilbte Schriften, doch jede Erkenntnis zog sie tiefer in das Netzwerk des Grauens. Es schien, als ob die Stadt selbst zu einem Publishing-Organ des Unaussprechlichen geworden war, jede Sage ein weiteres Kapitel in einem Buch, das sich nie schloss. Werden die Geheimnisse des Teufelsbundes je vollständig ans Licht kommen, oder sind die Seelen, die in seinen Mauern gefangen sind, dazu verdammt, für immer in der Finsternis zu irren? […]
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Willkommen an der Dresdner Weichbildgrenze, einem Ort, an dem die Zeit in den Fugen der Geschichte gefangen ist. Inmitten des modernen Pulses der Stadt Dresden verbirgt sich ein übersehenes Kapitel vergangener Tage, ein Mysterium, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Alles beginnt mit einem unscheinbaren Stein, dem Hüter von Geheimnissen aus längst vergessenen Epochen. Schreite ein in diese vergangene Welt, wo die Grenzen zwischen Gegenwart und Geschichte verschwimmen. Die Weichbildsteine, einst stumme Zeugen, erheben sich aus dem Boden, um dir ihre Geschichten zu erzählen. Spüre den kühlen Hauch der Vergangenheit, während du entlang der historischen Weichbildgrenze wandelst. Diese Steine sind nicht nur einfache Markierungen, sondern auch die Träger einer geheimnisvollen Melodie, die nur jene hören können, die bereit sind, den Rhythmus der Geschichte zu fühlen. Mit jedem Schritt offenbaren sich dir die Töne vergangener Ereignisse, die sanft durch die Luft schwingen. Die Weichbildgrenze wird zur Bühne, auf der die Geschichte ihre eigene Musik komponiert. Doch die Melodie ist nicht frei von Rätseln. Während die Steine flüstern, bleibt ein Teil ihrer Geschichten im Dunkeln. Weitere Rätsel, die dich herausfordert, weiter zu forschen und die fehlenden Orte zu finden. Deine Neugier erwacht, und du wirst zum Ermittler in einem historischen Krimi, der die Sinne betört. Die Weichbildsteine sind nicht nur Zeugen, sondern auch Wegweiser zu einem Schatz verborgener Wahrheiten. Jeder Stein trägt die Botschaft einer vergangenen Ära, aber nur die, die bereit sind, zwischen den Zeilen zu lesen, werden die wahre Bedeutung enthüllen. Du stehst vor einer Entscheidung: Willst du nur Zuhörer sein oder den Taktstock ergreifen und selbst Teil dieser faszinierenden Symphonie werden? Die Geschichte der Weichbildsteine entfaltet sich wie ein musikalisches Crescendo, das dich immer tiefer in die Vergangenheit zieht. Die Faszination steigt, und du bist bereit, das Orchester vergangener Tage zu dirigieren. Doch halt! Ein letzter Ton, ein mysteriöses Crescendo, bleibt noch verborgen. Was, fragst du, birgt dieser letzte Akkord? Diese Antwort, meine neugierigen Freund, bleibt ein letztes Geheimnis, das nur darauf wartet, von dir gelüftet zu werden. Bereit für den Tanz mit der Geschichte der Weichbildgrenze? […]
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Ein Flüstern zieht durch die uralten Wälder, ein Geräusch so alt wie die ersten Träume des Kosmos. Dort, wo die Stämme der Kiefern sich zum Himmel recken und der Boden nach feuchtem Laub und etwas Unbestimmbarem riecht, liegt ein Ort verborgen, dessen Macht sowohl Segen als auch Fluch birgt. Seit undenklichen Zeiten zieht dieser mysteriöse Quell jene an, die nach Antworten oder nach einer verborgenen Kraft dürsten. Doch die Legenden, die sich um ihn ranken, sind gespickt mit Warnungen vor einer anderen Art von Ernte, einer, die nicht von den Feldern stammt, sondern die Seelen der Suchenden verzehrt. Ein junger Mann, dessen Hoffnung so groß ist wie seine Verzweiflung, ignoriert die leisen Stimmen, die ihm zurufen, sich abzuwenden. Er überschreitet eine Schwelle, die nicht auf Karten verzeichnet ist, und findet sich in einer Welt wieder, in der die Farben verdreht sind und die Realität zerbricht. Was er dort mit eigenen Augen sieht, ist ein Albtraum aus verdorbenem Wachstum und stummen Schreien, ein Zeugnis dessen, was geschieht, wenn eine unsichtbare Macht das Leben selbst vergiftet. Währenddessen, weit entfernt von den Schatten des verfluchten Haines, beginnt eine Frau, an den Fäden eines unsichtbaren Netzes zu ziehen. Eine scharfsinnige Reporterin, deren Instinkt ihr sagt, dass die scheinbar alltäglichen Nachrichten von Krankheit und Verfall nur die Oberfläche kratzen, deckt eine perfide Verschwörung auf. Sie stößt auf eine Organisation, deren Einfluss sich wie ein kühler Schleier über das Land legt, eine Entität, die das Lebenselixier einer ganzen Region kontrolliert und langsam vergiftet, um ihren eigenen, finsteren Profit zu sichern. Drohungen werden zur konstanten Begleitung ihres Alltags, Isolation zur Waffe gegen ihren unbeugsamen Willen. Jedes ihrer Enthüllungen ist ein Schritt näher an die Wahrheit, aber auch ein Schritt tiefer in die Gefahr. Als ein purpurn schimmernder Stein, erfüllt von einer unheilvollen Energie, auf ihrem Schreibtisch erscheint, weiß sie, dass der Kampf persönlich geworden ist. Zwei Welten, scheinbar getrennt, sind durch ein dunkles Geheimnis verbunden. Wird die Suche nach der Wahrheit sie zerstören oder ihnen die Kraft geben, die sich ausbreitende Verzweiflung zu stoppen? Der Abgrund wartet. Bei der Erfindung so vieler Maschinen werden die Menschen sich schließlich gegenseitig durch dieselben vernichten! […]
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Nach der Niederlage des österreichisch-sächsischen Heeres bei Hohenfriedberg 4. Juni 1745 rückten die Preußen in Sachsen ein und besiegten das sächsische Heer 15. Dec. 1745 bei Kesselsdorf, worauf am 25. Dec. 1745 der Friede zu Dresden zwischen Sachsen, Preußen und Österreich geschlossen wurde. Während dieses kurzen Krieges hatte Sachsen beträchtlich durch die Preußen gelitten und mußte im Frieden noch 1 Mill. Thlr. Kriegssteuer an Preußen zahlen. August II., welcher sich bis dahin in Polen aufgehalten hatte, kehrte nun nach Sachsen zurück, berief sogleich einen Landtag und bildete, um das Schuldenwesen des Staates zu ordnen, eine Restaurationscommission, bei welcher bes. die geheimen Räthe von Fritsch, von Gutschmidt und Wurmb sich verdient machten. August II. st. am 5. Oct. 1763. Er war der letzte König von Polen aus dem Hause Sachsen. 100 Jahre für Gewaltfreiheit und Frieden - Die meisten preußischen Generale waren nachheutigen Maßstäben Rentner. Auch die Mobilisierung verlief zäh und unvollständig. Im Kampf kam immer nur ein Teil der Truppen zum Einsatz, während Reserververbände bis zur bitteren Niederlage in der Hinterhand gehalten wurden. Außerdem war die Logistik höchst mangelhaft: es fehlten Lazarette, das Kartenmaterial war veraltet, und es gab erheblich zu wenig Zugpferde für die Artillerie. So befanden sich die Truppen als Konsequenz der seit Jahren aufgeschobenen Heeresreform in einem miserablen Zustand. Am Rande der Schlachten entgingen König FRIEDRICH WILHELM III. und Königin LUISE nur knapp der französischen Gefangenschaft. NAPOLÉON zog als triumphaler Sieger wenige Tage später in Berlin ein. Die Folgen der Niederlage wurden ein knappes Jahr darauf im Frieden von Tilsit festgeschrieben. Preußen verlor drei Viertel seines Staatsgebietes, musste hohe Kriegsentschädigungen an Frankreich entrichten und sein Heer auf 42 000 Mann reduzieren. Mit der napoléonischen Besatzung begann aber auch die Zeit umfangreicher Reformen, von denen allerdings viele nach dem Wiener Kongress 1815 wieder revidiert oder verwässert wurden. Dort vereinigten sich beide Garnisonen zu einem Corps von 13,000 Mann mit 36 Kanonen. Thielmann besetzte, um Maison den Rückzug abzuschneiden, Courtray mit 5000 Mann, kehrte aber am 27. März vor der Übermacht der Franzosen nach Tournayzurück, um von Oudenaarde Verstärkungen an sich zu ziehen. Um einem etwaigen Angriff Maisons auf Brüssel vorzubeugen, sammelte der Herzog von Weimar am 30. März bei Alost 7000 Mann u. 30 Kanonen, wozu noch 3000 Mann unter Wallmoden kamen, welcher unter den Befehlen des Kronprinzen von Schweden bei Löwen stand, u. wollte mit diesem Corps Maison in der Front angreifen, während Thielmann mit 9000 Mann denselben in der Flanke von Oudenaarde aus bedrohen sollte. Er wollte aber nicht nach Brüssel vorrücken, sondern trat am 30. März den Rückzug von Gent nach Courtray an. Hier traf er am 31. mit Thielmann zusammen, welcher sich mit ihm in ein Gefecht einließ, welches er erst am Abend abbrechen konnte u. worin er 600 Mann verlor. Er suchte nun Tournay zu nehmen, welches von dem weimarischen Oberst Egloffstein mit drei Bataillonen vertheidigt wurde, mußte sich aber nach mehren Stürmen nach Lille zurückziehen. Am 4. April kam die Nachricht von der Einnahme von Paris in Brüssel an, u. am 9. April wurde eine Übereinkunft zwischen beiden Theilen getroffen, welcher am 12. April ein Waffenstillstand folgte. Der Kronprinz von Schweden hatte während der Zeit unthätig Anfangs bei Köln u. dann bei Lüttich gelegen. […]
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Die Dämmerung kriecht wie ein hungriges Tier über die staubigen Narben der Stadt, während ein einsames Skelett aus Metall bis in die tiefsten Wolkenschichten ragt. In dieser unwirtlichen Vertikale, weit entfernt von der Sicherheit des festen Bodens, herrscht eine ganz eigene, fast sakrale Stille. Es ist ein Reich aus Glas und Stahl, in dem jede Bewegung eine Entscheidung über Leben und Vergehen darstellt und der Wind eine Sprache spricht, die nur jene verstehen, die bereit sind, ihre eigene Belastungsgrenze weit hinter sich zu lassen. Hier oben verschwimmen die Grenzen zwischen Pflichtgefühl und purer Aufopferung in einem Dunst aus Diesel und klammer Kälte. Tief im Inneren dieser schwebenden Einsamkeit verbirgt sich ein Mann, dessen gesamtes Dasein zu einer einzigen, unnachgiebigen Kalkulation geworden ist. Er ist kein Träumer, sondern ein Gefangener seiner eigenen Loyalität, getrieben von einem leuchtenden Bild, das weit unter ihm in der Dunkelheit der Alltagssorgen verblasst. Doch was geschieht, wenn die physische Hülle zu bröckeln beginnt und die Nacht nicht nur Schatten, sondern auch tückische Böen mit sich bringt? Ein plötzliches Zittern im Gefüge, ein unnatürlicher Widerstand in der Mechanik - und plötzlich wird aus der Routine ein gnadenloser Überlebenskampf. Es ist der Moment, in dem die Maske der Beherrschung zu reißen droht und die Frage im Raum steht, wie viel ein einzelner Mensch zu tragen vermag, bevor das Band endgültig reißt. Mysteriöse Zeichen am Horizont kündigen ein Unheil an, das weit über das Wetter hinausgeht. Ein technisches Versagen, das wie ein böswilliger Sabotageakt der Natur wirkt, katapultiert die Szenerie in eine neue Dimension der Beklemmung. Warum weigert sich jemand, dem sicheren Abgrund zu entkommen, wenn das Metall bereits unter der Last der Verantwortung stöhnt? Und welche Kraft verbirgt sich hinter dem stummen Flehen, das nur durch ein flimmerndes Display Nahrung erhält? Während die Welt da unten im Schlaf versinkt, entbrennt in der schiefen Kanzel ein Duell gegen die eigene Endlichkeit. Der wahre Horror liegt nicht in der Fallhöhe, sondern in der drohenden Unfähigkeit, ein Versprechen einzulösen, das teurer ist als das eigene Überleben. Am Ende bleibt nur ein verzerrtes Echo in der Dunkelheit, während eine unerwartete Entdeckung alles bisher Geglaubte in Frage stellt. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Eine herrliche Generation deutscher Heldensöhne verschmachtete in den Lenden der auswandernden Väter, wie der Keimtrieb wuchernder Pflanzen in den syrischen Wüsten, wenn der glühende Sirokko darüber wehet. Bewahrt und streng ästhetische Gesundheit, schöne Wiege meiner LeidenSchöne Wiege meiner LeidenSchönes Grabmal meiner Ruhe, Schöne Stadt, wir müssen scheiden Lebe wohl! Warum sich aber Meister Saiphdon so untätig bewies, da es doch auf eine Seelenkaperei ankam, und nach allen Umständen die Entreprise gelingen mußte, davon läßt sich eine oder die andere triftige Ursache angeben. Indessen jetzt der Teil mit zwei und drei Wanzen zogen in langen, geordneten Reihen die Wände hinunter, den Plafond entlang, warteten in blutlüsterner Tücke auf den Anbruch der Finsternis und fielen auf die Lager der Schlafenden. Dann hätte das Kunstwerk seine Rundheit als ob es nun die Säle des Vatikans oder die königlichen Gärten oder die nächtlich erleuchteten Fenster eines Palastes am Corso oder die Ringe an der Hand einer schönen Frau oder die Orden auf der Rockbrust eines Generals waren, stets empfand er beim Anblick von Dingen, die an Macht, Herrschaft und Reichtum erinnerten, den Groll eines Menschen, der um den rechtmäßigen Genuß seines Eigentums betrogen wird. Nichts weiter als schädliche Wucherung sei. O Gott, ihr Herren vom kritischen Knaster, Dde Westjuden legten Wert darauf, nicht mit den Ostjuden verwechselt zu werden, hingen mit besonderer Liebe an Deutschland und Österreich und gaben sich bisweilen deutscher als die christlichen Deutschen, waren kulturell überaus engagiert, wirtschaftlich erfolgreich und wollten angesichts einer Zeit, welche die atavistische Judenfeindschaft scheinbar ein für allemal überwunden hatte, den Geruch und die Erniedrigung des jahrhundertelangen Ghettos hinter sich lassen, ohne von osteuropäischen Glaubensbrüdern erneut daran erinnert zu werden. Die Rückbesinnung auf die glanzvolle Zeit des Urgroßvaters, Augusts des Starken, sollte als verlässliche Basis für eine Konsolidierung wettinischer Herrschaft fungieren. Hatte schon jener die griechischen Helden und Götterscharen als allegorisches Tugendprogramm einer weisen Regierung in den Plafondgemälden einiger Paradesäle personifizieren lassen, war nun der Urenkel gefragt mit kluger Hand das von den Kriegereignissen zerrüttete Land wieder auf einen aufstrebenden Pfad zu führen. […]
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