Tuer Klinke
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Über Felsen und durch Klüfte Eilt er fort in schnellem Lauf, Anne schallt es durch die Lüfte, Nichts hält seinen Kummer auf. Er rennt bei der Blitze beleuchtendem Scheine, Ersteiget die Berge, durchdringet die Haine. Blitze ein Überblick - Die meisten Forscher sind sich einig, dass sehr wahrscheinlich mehrere verschiedene Phänomene unter dem Sammelbegriff Kugelblitz erfasst sind. Im Laufe der Zeit wurden vielschichtige Theorien und Vermutungen zu deren Natur aufgestellt. In Labors haben Forscher mancherorts leuchtende Feuerbälle erzeugt, die den Erscheinungen nicht ganz unähnlich, aber meistens zu kurzlebig waren. Wann aber kann ein Gewitterblitz die Vision eines kugelförmigen Phosphens erzeugen? Blitze mit wiederholten Entladungen, die uber mehrere Sekunden die stimulierenden Magnetfelder erzeugen, sind eher selten und treten nur in etwa einem von hundert Fällen auf, rechnet der Physiker Kendl. Einem Beobachter, der sich im Abstand von wenigen hundert Metern von einem langen Blitzeinschlag entfernt befindet, kann ein magnetisches Phosphen in Form eines hellen Lichtflecks fur einige Sekunden erscheinen. Auch andere Sinneseindrucke wie Geräusche oder Geruche könnten dabei auftreten. Da die Bezeichnung Kugelblitz aus den Medien bekannt sei, wurden Beteiligte wohl auch runde Blitz-Phosphene so bezeichnen. Laut Alexander Kendl spricht fur die Deutung, dass viele Beobachtungen von Kugelblitzen eigentlich solche Phosphene sind, auch deren Einfachheit: Im Gegensatz zu anderen Theorien, die schwebende Feuerkugeln beschreiben, sind keine neuen und weiteren Annahmen nötig. Es ist der Traum von meinem Glück, der durch mein Herz streift wie der Wind. Es ist der Hauch von deinem Blick, der durch mein Herz schweift regenlind. III Einsam durch den düsterblauen nächtgen Himmel seh ich grelle Blitze zucken an den Brauen schwarzgewölbter Wolkenwelle. Ists Nacht, ists Tag? Ich weiß es nicht. Lacht doch auf mich so lieb und lind dein sonnenlichtes Angesicht, und selig bin ich wie ein Kind. II Es ist der Wind um Mitternacht, der leise an mein Fenster klopft. […]
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Ein flirrender Sommertag entfaltet sich zwischen Sonnenblumenfeldern und vergessenen Wegen, als die Entscheidung fällt, aufzubrechen. Nicht weil ein Ziel wartet, sondern weil etwas im Inneren zu flüstern beginnt, leise und dringlich wie eine Erinnerung, die nie gemacht wurde. Die Welt wirkt sanft entrückt, der Horizont weichgezeichnet, als wäre Zeit nur eine Ahnung. Nichts weist darauf hin, dass diese Reise eine Grenze überschreiten wird, die weder auf Karten verzeichnet noch in Reiseführern benannt ist. Und doch ist sie da, diese Linie zwischen dem Sichtbaren und dem Spürbaren, zwischen dem, was war, und dem, was uns heimlich erwartet. Der Ort, der sich offenbart, scheint aus einer anderen Sprache zu stammen. Die Zimmer atmen wie alte Gedichte, die Vorhänge tanzen bei jedem Windzug, als wollten sie etwas erzählen, das längst vergessen war. Engel aus Holz und goldenes Licht an den Wänden lassen das Herz langsamer schlagen, aber die Augen wacher werden. In der Ferne verliert sich ein Lied im Lavendel, das niemand singt und das dennoch jeden Raum erfüllt. Wer ist die Frau im blauen Kleid, deren Blick von etwas erzählt, das nie ganz gegangen ist? Warum scheint ihr Gang mehr zu wissen als ihre Stimme? Ein Weg führt weiter, durch Bäume, die raunen, über Moos, das Geschichten speichert. Dort, wo der Wald sich öffnet, stehen Häuser, aus Holz gebaut und von Zeit umwoben. Stimmen singen leise hinter Fenstern, Stimmen, die an Märchen erinnern, und an das, was in ihnen immer wahr ist. Dann ist da der See, glatt wie Glas, in dessen Oberfläche das eigene Gesicht plötzlich nicht mehr allein erscheint. Eine Gestalt spiegelt sich, lichtdurchlässig und still, wie ein Gedanke, der nie zu Ende gedacht wurde. Was will sie sagen? Was bleibt ungesagt? Gerüchte erzählen von einem goldenen Stern, tief verborgen unter Hügeln und Erinnerungen. Wer ihn findet, darf sich wünschen, sagen die Menschen. Doch was, wenn der wahre Schatz nicht dort liegt, wo man gräbt, sondern dort, wo man fühlt? Was, wenn nicht der Stern, sondern die Suche selbst das Licht ist? Jede Begegnung, jedes Lächeln, jede leise Frage wird Teil einer Reise, die nichts mit Landkarten zu tun hat. Und während der Zug sich schließlich wieder in Bewegung setzt, während das Fenster die Welt vorbeiziehen lässt wie einen Traum, bleibt ein letzter Gedanke. Was, wenn die größte Hochzeitsreise nicht zwischen zwei Menschen liegt, sondern zwischen uns und dem, was wir zu lange vergessen haben? […]
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Wie seltsam diese Dinge, besonders auch diese Summen uns heutigen Tages erscheinen mögen, sie waren weder kleinlich noch komisch zu ihrer Zeit, und das gelehrte Ruppin von 1570, indem es auf ein halbes Jahrhundert in den Rang und Reigen deutscher Universitätsstädte eintrat, genoß vorübergehend die Ehren eines literarischen Tribunals. Erst der Dreißigjährige Krieg machte dem allen ein Ende. Einzelnes aus jener Unglücksepoche gebe ich später, namentlich in dem Kapitel Gottberg. In den Jahren 1716 und 1717 unterzog der damalige Bürgermeister der Stadt Radeberg, namens Seidel, die verfallenen Stollen und Gänge im Tannengrunde einer genauen Untersuchung. Ja, er fing an, nachdem er vom Bergamte zu Glashütte die Erlaubnis erhalten hatte, die eingezogenen Bergwerke wieder in Betrieb zu setzen. Das geschah am 13. Februar 1717. Seinem Bau gab er den Namen Sonnenglanz. Doch den Bergbau stellte Seidel auch wieder ein, nachdem er statt Gold und Silber ein heilkräftiges Wasser in den alten Stollen entdeckte. Er hatte die Heilquellen des heutigen Bades Augustusbad aufgefunden. Im Tannengrunde entstand nun ein Bad. Seit jener Zeit sind die alten Bergwerke daselbst wieder in Vergessenheit geraten. Der Tourist, welcher durch den romantischen Tannengrund wandert, denkt wohl kaum daran, daß hier einstmals an den Talwänden lebhafter Bergbau getrieben worden ist. Erst als die Schlesische Armee bei Wartenburg über die Elbe gegangen war, bewerkstelligte auch das Nordheer, mit Einschluß Tauenziens, am 4. u. 5. Oct. bei Roßlau u. bei Acken den Übergang. Nur Thümen blieb zur Blockade von Wittenberg stehen, Ney zog sich aber nach Delitzsch zurück. Die Schweden u. Winzingerode standen bei Radegast, Bülow bei Jeßnitz, später bei Zörbig, Hirschfeldt bei Roßlau; am 10. Oct. verband sich die Schlesische Armee mit der Nordarmee bei Zörbig. Am 8. Oct. schloß Baiern mit Österreich einen Vertrag in Ried ab, worin dem König von Baiern alle jetzigen Besitzungen garantirt wurden, erklärte am 14. Oct. an Napoleon den Krieg u. entsendete den Theil seines Heeres, welcher bisher unter Wrede am Inn zur Beobachtung Österreichs aufgestellt war, durch drei österreichische Divisionen verstärkt, gegen die französische Rückzugslinie. Hierdurch war der Rheinbund aufgelöst, u. nun erst konnte Österreich, im Rücken frei, gegen Italien etwas Ernstliches unternehmen. Nürnberg und die Schlüssel zur Branche. […]
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Der Regen senkte sich schwer auf die Welt, die Erde mit einer drängenden alten Schuld, unter sich begrabend. Jeder Tropfen erinnerte an Dinge, die längst vergangen waren. In den schmalen Gassen der alten Stadt sammelte sich das Wasser in dunklen Rinnen, und die Luft war so feucht, dass sie an den Fensterscheiben klebte wie alte Träume. Aus dem Nebel schälte sich etwas, das nicht ganz zur Welt der Menschen gehörte, und die Nacht selbst hielt für einen Moment den Atem an. Es war nicht bloß ein Schatten, der sich durch das endlose Trommeln des Regens bewegte. Einige behaupteten, sie hätten es gesehen: eine Gestalt aus Nebel und Schweigen, durchsichtig wie der Hauch eines verlorenen Namens. Andere meinten, es sei nur das Spiel der Tropfen auf müden Pflastersteinen gewesen. Doch wer in jener Nacht draußen stand, wer den salzigen Hauch auf der Haut spürte und die Stimme der feuchten Luft hörte, der wusste, dass etwas Fremdes unterwegs war. Vielleicht eine Laune des Himmels, vielleicht ein Echo einer längst begrabenen Erinnerung. Oder ein Wesen, das im Zwielicht zwischen Leben und Vergessen wandelt, auf der Suche nach etwas, das wir längst verloren glauben. Es streifte durch die nassen Straßen, spurlos, und doch blieb ein Schauder zurück, der tiefer ging als jede Kälte. Wer spürt den Schlag eines Regentropfens, der mehr ist als bloß Wasser? Wer erkennt die flüchtige Berührung einer fremden Seele in der feuchten Dunkelheit? Niemand wagte es, eine Antwort zu flüstern. Nur ein Blick, eine vergessene Geste, ein namenloses Bedauern blieben im Herzen derer, die die Begegnung überlebten. Doch war es wirklich ein Zufall, dass ein Lichtschein in einem verlassenen Innenhof aufflackerte? Dass ein Schatten innehielt, als würde er sich erinnern? Wer die Zeichen zu deuten wusste, erkannte, dass die Welt für einen Augenblick aus dem Gleichgewicht geraten war. Und was wäre geschehen, wenn jemand dem Phantom gefolgt wäre? Wer weiß, welche Pfade sich hinter dem endlosen Regen auftaten, verborgen, vergänglich, bereit, einen verlorenen Wanderer zu verschlingen? […]
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Das Jahr 1827 bringt einen Sommer, der die Luft über einem bescheidenen Dorf im Taunus verbrennt. Es ist eine Luft aus Staub, Schweiß und der stillen Erwartung einfacher Bauern, die ihren Acker bestellen. Ihre Pflugscharen stoßen nicht auf Steinbrocken, sondern auf die kantige Ecke eines Monuments, das die Zeit vergessen hatte. Mit jeder Schaufel voll Erde geben sie nicht nur ein Stück Marmor frei, sondern reißen ein Loch in den Schleier der Gegenwart. Der Stein atmet die Kälte von siebzehn Jahrhunderten. Er trägt eine Inschrift, die nicht den üblichen Formeln folgt, sondern mit einer Majestät geschrieben ist, die den Boden unter den Findern erzittern lässt. Die Buchstaben verkünden den Namen eines Kaisers, doch nicht den eines bekannten Herrschers aus Rom. Sie nennen Imperator Caesar Marcus Iulius Philippus Augustus. Dieser Titel gehört einem Mann, der in Arabien geboren wurde, in der fernen Provinz, wo die Wüste auf das Römische Reich trifft. Die Tatsache, dass sein Denkmal hier liegt, im feuchten Germanien, weit entfernt von seiner Heimat, ist das erste unlösbare Rätsel. Es ist ein archäologischer Volltreffer, ein Fund, der alle Lehrbücher infrage stellt. Die Gelehrten der Zeit, Männer mit staubigen Röcken und eisernen Überzeugungen, strömen herbei. Sie tragen ihre Weltordnung im Kopf, ein gerades, von Rom ausstrahlendes Liniennetz der Zivilisation. Dieser Stein, der Philippus Arabs nennt, zerschneidet diese Linien mit der Schärfe eines Damaszener Dolches. Was brachte einen Kaiser aus der arabischen Provinz hierher, in das Land der Barbaren, das niemals vollständig erobert wurde. War dies ein Zeichen gigantischen Machtstolzes, ein Monument an der äußersten Grenze, oder das Gegenteil, ein verzweifeltes Bollwerk gegen einen drohenden Untergang. Die Inschrift spricht nicht nur von ihm. Sie erwähnt seine Familie, seine Gattin Otacilia Severa, seinen kleinen Sohn, den er zum Mitkaiser ernannte. Sie zeigt einen Mann, der seine Dynastie sichern wollte, mitten in einem Reich, das zu brodeln begann wie Vulkanstein. Doch der wahre Schrecken liegt im Schweigen des Steines, in dem, was er nicht sagt. Die offizielle Geschichte berichtet, dass Kaiser Philippus nach einem verlorenen Feldzug gegen die Goten starb, von den eigenen Soldaten getötet. Sein Andenken wurde verdammt, sein Name aus vielen Aufzeichnungen getilgt. Warum also existiert dieses prächtige, ehrende Denkmal an einem abgelegenen Ort, der unter seiner Herrschaft stand. Es ist, als habe ein Teil des Reiches, vielleicht das germanische Heer, sich geweigert, das Urteil Roms anzuerkennen. Als habe hier, jenseits der Alpen, eine treue Gefolgschaft den verfemten Kaiser weiterverehrt, im Geheimen, gegen den Willen der neuen Machthaber. Der Stein wird zum Zeugen eines widerständigen Gedächtnisses. Der Fundort verwandelt sich in ein Feld der Spekulation. Handelte es sich um ein Kenotaph, ein leeres Grabmal für einen anderswo begrabenen Herrscher, oder um die tatsächliche, niemals geborgene Ruhestätte des Kaisers. Wenn seine sterblichen Überreste hier lägen, dann wäre die gesamte historische Überlieferung seines Todes falsch. Eine solche Entdeckung würde mehr als eine Biografie korrigieren, sie würde ein Narrativ von Verrat und Schande auslöschen und durch ein anderes ersetzen, eines von Treue und einem rätselhaften Exil in der Provinz. Wer hat diesen Stein in Auftrag gegeben, mit welchem Wissen und welcher Furcht vor der Zentralmacht. Jede Antwort wirft zehn neue Fragen auf und zieht den Betrachter tiefer in ein Labyrinth aus politischen Intrigen, militärischer Loyalität und der hartnäckigen Kraft lokaler Erinnerung, die der offiziellen Geschichtsschreibung trotzt. Der Marmor blockt ab. Er gibt keine weiteren Geheimnisse preis. Doch er steht nun da, ein stummer, mächtiger Gast aus einer turbulenten Zeit, und fordert jeden heraus, der ihn betrachtet. Er fordert eine Entscheidung. Kann man der kalten, in Stein gemeißelten Tatsache vor Ort trauen, oder der warmen, aber widersprüchlichen Überlieferung der alten Bücher. Der Stein spricht von Präsenz, von Macht, von einem spezifischen Ort in Germanien, der einmal wichtig genug war für einen kaiserlichen Monument. Die Bücher sprechen von Abwesenheit, von Niederlage, von Verdammnis. Beides kann nicht wahr sein. Die Spannung zwischen diesem einzelnen Objekt und dem kolossalen Gewicht der überlieferten Geschichte erzeugt ein Gefühl von fundamentalem Irrtum. Vielleicht wartet die größte historische Entdeckung nicht in Rom, sondern immer noch vergraben im Taunus, direkt neben dem Stein, der erst das erste Wort gesprochen hat. Die Schaufeln sind noch nicht am Ende. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke verstummt, legt sich eine Stille über die Stadt, die nicht friedlich, sondern gespannt und unnatürlich ist. Sie ist so tief, dass das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein ferner Herzschlag in den Knochen widerhallt. Von den Schatten der Gassen aus materialisiert sich eine unheilvolle Form: eine Bahre aus Holz, das so schwarz ist, dass es die Nacht selbst zu verschlucken scheint. Getragen von zwölf kolossalen Gestalten, die sich wie lebende Schatten bewegen und deren Schritte einen dumpfen, rhythmischen Schlag erzeugen, der das Fundament der Stadt erzittern lässt. Doch das Unfassbarste geschieht, als die Bahre den Dom erreicht. Unter den Füßen der Träger beginnt die Luft zu flirren, ein gleißendes Band aus reinem Willen spannt sich über den Raum, eine Brücke aus Nichts, die in die Ferne zu verschwinden scheint. Während die Riesen ihren Weg über dieses geisterhafte Band fortsetzen, regt sich der Rhein unter ihnen, sein Wasser zischelt und gurgelt, als würde er sich gegen diesen Eingriff in seine Domäne sträuben. Plötzlich beginnt der Dom selbst zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit einem vielstimmigen Flüstern, das die jahrhundertealten Geschichten der Steine enthüllt und von anderen Nächten dieser Art erzählt. Gleichzeitig tauchen aus den umliegenden Schatten die Wächter auf - Männer und Frauen in dunklen Mänteln. Sie suchen nach ungewollten Zeugen, ihre Blicke scannen die Dächer und Gassen. Was bewachen sie, und was für eine metaphysische Last wird da transportiert, die selbst die Gesetze der Natur aufzuheben scheint? Die Morgenröte bringt ein Signal, das die Prozession zum Halt zwingt. Die Bahre wird abgelegt, und ihre unvorstellbare Bürde sickert in das Pflaster des Domplatzes. Die Riesen verschwinden, von der Sonne fortgewischt. Die Stadt erwacht, ahnungslos, während ein stiller Beobachter mit dem Wissen allein zurückbleibt. Er wird für immer der Hüter eines unaussprechlichen Geheimnisses sein, das nun in den Mauern und Straßen von Köln verweilt. […]
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Ein Sterbelied der kranken Welt - und morgen fegt der Sturm das Feld, Und morgen deckt den Hag der Schnee . . . mir ist so weh, zum Sterben weh! Mir ist, als sollte ich nimmer schauen die Rosen blühen, die Wogen blauen, Dem Unbeteiligten gewährt die Beobachtung des von allen Landleuten bitter gehaßten Paperlings Vergnügen. Die Geselligkeit der Tiere wird auch während der Brutzeit nicht aufgehoben; ein Paar wohnt und brütet dicht neben dem andern. Das Nest wird auf oder hart über dem Boden ohne große Sorgfalt, jedoch immer zwischen Gras oder Getreidehalmen angelegt und selbstverständlich zum Mittelpunkte des Wohngebietes eines Paares. Während nun die Weibchen sich dem Fortpflanzungsgeschäfte hingeben, treiben sich die Männchen im neckenden Wetteifer über dem Halmenwald umher. Eines und das andere erhebt sich singend in die Luft und schwingt sich hier in eigentümlichen Absätzen auf und nieder. Das Lied des einen erregt alle übrigen, und bald sieht man eine Menge aufsteigen und vernimmt von jedem die anmutig heitere Weise. Mit Recht rühmen die Nordamerikaner den Gesang dieses Vogels; er genügt selbst dem verwöhnten Ohr eines deutschen Liebhabers. Die Töne sind reich an Wechsel, werden aber mit großer Schnelligkeit und anscheinender Verwirrung ausgestoßen und so eifrig fortgesetzt, daß man zuweilen den Gesang von einem halben Dutzend zu vernehmen glaubt, während doch nur ein einziger singt. Eine Vorstellung kann man sich nach Wilson von diesem Gesange machen, wenn man auf einem Pianoforte rasch nach einander verschiedene Töne, hohe und tiefe durcheinander, ohne eigentliche Regel anschlägt. Aber die Wirkung des ganzen ist gut. Recht häufig singt das Männchen übrigens auch im Sitzen und dann unter lebhafter Begleitung mit den Flügeln, nach Art unsers Stares. In seinen Bewegungen zeigt sich der Paperling als sehr gewandter Vogel. Sein Gang auf dem Boden ist mehr ein Schreiten als ein Hüpfen, sein Flug leicht und schön. Zudem versteht er es, in seinem Halmenwald auf- und niederzuklettern, trotz eines Rohrsängers. […]
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